20.12.2010

Wer freut sich auf den Winter?

Alle Kinder, behauptet ein altes Lied. Und ich auch!

Und deswegen geht es mir gerade tierisch auf den Zünder, dass überall und permanent die aktuelle Wetterlage mit ihrer weißen Pracht thematisiert und zu 99% verteufelt wird. Sicher, kein Mensch sitzt freiwillig auf dem Flughafen fest und wer ein paar Stunden auf der Autobahn stehend zubringt, nur weil irgend ein Hirni seinen sommerbereiften LKW Pirouetten drehen läßt, wird das kaum lustig finden können. Es gibt jedoch noch genügend Leute, die nicht wirklich auf ein anderes Wetter angewiesen sind. Aber, typisch für unsere Medien, da wird den ganzen Tag geningelt und genörgelt, scheissenkalt, glatt, finster und überhaupt, Rekord hier Katastrophenwarnung da, das nervt...

Auch erstaunlich, wie die vielgepriesene Marktwirtschaft auf das ganze reagiert. Da gibt´s bei der ersten Tankstelle keinen Sprit mehr, der nächste hat kein Streusalz und überhaupt konnte ja niemand damit rechnen, meingottnein, nach all den milden Wintern der letzten paar Jahre. Haben die Genossen zu Friedenszeiten, als Moskau für den halben RGW eine nächtliche Tiefsttemperatur von maximal 20° unter null anordnete, auch so einen Zeremon veranstaltet? Kann mich nicht erinnern, bin aber auch nicht immer dabei gewesen... Wie auch immer... Sehr gut ist auch die offenbar weitverbreitete Idee, das können doch die ganzen Hartzis wegschippen (u. a. entlockte olle Guido seinem Hirn diese...). Sollte ich auch nur einen erwischen, während er schippend meinen Winterspaziergang zerstört, kurzes Warnbellen, Schippe weg, Schippe kaputt!

Anderweitig ist die Vorstellung rein bildlich nicht ohne Witz: Früh, sagen wir mal 4.30 Uhr (muss so zeitig sein, wir wollen ja noch vor dem Berufsverkehr eine wahre Streitkraft auf der Straße haben) guckt der Sachbearbeiter (Fallmanager heißt das inzwischen) aus dem Fenster - es schneit. Zack, schnell den Kaffee (der Gute mit goldener Schrift) runtergestürzt, in den frisch angezahlten Skoda (in diesem Falle Yeti, Allrad) gesprungen, langsam (ist ja noch nicht geräumt) in die ARGE getuckert, mal fix 1000 Leute angerufen, hier es hat geschneit, sie müssen heute mal was machen für ihre Stütze, wann können Sie schnellstmöglich hier sein?! und so weiter. 1000 Hartz4-Empfänger gucken also nacheinander aus ihren Hartz4-Fenstern, scheiße, es hat wirklich geschneit! Stürzen also schnell den Kaffee (der billige mit dem braunen Streifen) runter, tauschen Schlafanzughose gegen gefütterten Schlüpper und hohen Schuh und rennen zur Haltestelle. Leider kommt die Bahn nicht gleich, die Weiche am Postplatz ist irgendwie zugefroren, hat ja noch keiner geräumt... Schätzungsweise gegen mittlerweile Mittag kommen dann die ersten auf der Budapester Straße an; einige machen aber noch ne schnelle Rast am Lidl, der Mensch soll ja, gerade wenn er körperlich arbeitet, drei Liter am Tag trinken und wer Bier trinkt, hilft der Landwirtschaft, auch kann es der Arbeitsmoral an sich nicht schaden. Beräumt ist derweil immer noch so gut wie nichts, da sich zig Hausmeisterdienste und Winterdienstfahrzeuge (natürlich mit hochgeklapptem Schiebeschild, kann man nämlich schneller fahren, ist man eher da) sternförmig dem Arbeitsamt nähern, um möglichst weit vorne in der Reihe zu stehen, wenn die freiwilligen Unfreiwilligen meistbietend verteilt werden. So geht der Tag auch rum und wenn sich der clevere Hartz4-Empfänger dann noch mal ein halbes Stündchen aufs Klo verdrückt, ist zwar immer noch Schnee auf der Straße, aber immerhin Feierabend. So oder so ähnlich stelle ich mir das zumindest vor...

Im Grunde könnte mir´s ja wurst sein, wenn man nicht immer von allen Seiten mit Negativitäten konfrontiert werden würde. Das sind im übrigen die selben (Leute, Zeitungen, Radiostationen etc.), die ansonsten die ersten sind, die ein Weihnachtsfest ohne Schnee absolut als unfeierbar bejammern. Leute, schnappt euch nen Grog, lasst baumeln (nciht nach dem Motto Wer lang hat, kann lang tragen!, sondern die Seele, hehe), macht ne Schneeballschlacht oder geht eisbaden oder sonstwas... ansonsten: Schnauze!

Kommentare:

  1. Die QAD wird sich schon ein paar Hartzer zur Reintegration, Schulung und Weiterbildung, sprich Schneeschippen greifen. Dafür gibts Geld vom Amt. Die Schippe brauchst du denen auch nicht kaputtmachen, denn sie werden keine haben und bestenfalls mit einer Schaufel losziehen. Sonst würde das Schneeschippen zu schnell gehen.

    Was das Volk interessiert, sind nunmal schlechte Nachrichten. Diese veranlasst sie eine Solidargemeinschaft zu bilden. Da verbietet ein Prophet den Genuß von Schweinefleisch und schon entstand eine Weltreligion. So in etwa funktionieren auch Katastrophenmeldungen. *g*

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  2. Jup, so ist das. Nervt trotz allem, aber was soll´s. Habe mein "Fussgängerprojekt" gerade um eine Woche verlängert, so hab ich noch was vom Schnee, so lange er noch liegt! ;o)

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Vielen Dank für´s Gespräch! ;o)