31.12.2011

neues Jahr, neues Glück

Angenehme Feierlichkeiten allerseits! ;o)

Öhm, ja, also... der Channel666 wünscht allen eine ansändige Sause, um das neue Jahr, welches kaum noch besser werden kann, als das alte, was wiederum glücklicherweise niemand vorher wissen kann... [Faden wieder einsammel] ...schöne Feier & guten Start ins neue Jahr! ;o)


Buck Satan & The 666 Shooters »Ten Long Years In Texas« (»Bikers Welcome! Ladies Drink Free«, 2011)
[fehlt immer noch eins... ist aber nicht online, also irgendwann mal]

30.12.2011

Jack am Lilienstein

Kann es sein, dass einige Außenszenen dieses Videos rund um den Lilienstein gedreht wurden? Man weiß es nicht...


Nightwish »Amaranth« (»Dark Passion Play«, 2007)

Aber dafür wissen wir jetzt, dass es auch Jack Wolfskin-Mützen für Kinder gibt und das parallel zu gelben Tatzen im heimischen Wald der Anteil der Wanderer ansteigt, welche solche abgefahrenen Nordic Walking Stöcke mit sich herumschleppen. Seltsame Entwicklung - die Fashionpolizei beobachtet euch! ;o)

Liliensten [links unten: Südabstieg zum Auenland]


Buck Satan & The 666 Shooters »Drug Store Truck Drivin´ Man« (»Bikers Welcome! Ladies Drink Free«, 2011)

PS: Weil der Hochladefuchs es offenbar für nötig hielt, das Lied im Doppelpack mit »Quicker Than Liquor« auf den YouTube-Server zu wuchten, sei erwähnt, das es erst bei 3:10 losgeht. Nur der Vollständigkeit halber. Bleibt nur noch ein Stück, dann wäre es geschafft, das ganze BS-Album zu posten. Weltkulturerbe!!! ;o)

29.12.2011

Harveys neue Augen


Poki »Nadel und Faden« (»Harveys neue Augen«, 2011)

Eintrag ins Spaßgehabttagebuch... Harveys neue Augen gezockt, viel dazu gelernt, viel vergessen..., sogar Edna wieder getroffen. Auf jeden Fall eines der Highlights 2011 (zumindest vor dem Monitor)! ;o)


Bei aller virtueller Schönheit: jetzt wird erstmal der Rucksack geschultert, die um diese Jahreszeit stets sonnige Sächsische Schweiz wartet! (mit noch besserer Grafik und echtem 3D!)


Buck Satan & The 666 Shooters »Sleepless Nights And Bar Room Fights« (»Bikers Welcome! Ladies Drink Free«, 2011)

27.12.2011

Friedhof Echterdingen

Hatte letztens (klickklack) schon ein paar Friedhofsbilder aus Echterdingen bei Stuttgart (Bilder aus dem Westen, hehe) eingefruttelt - hier also der Rest.


...zu guter letzt...


Buck Satan & The 666 Shooters »I Hate Every Bone In Your Body Except Mine« (»Bikers Welcome! Ladies Drink Free«, 2011)

25.12.2011

Mykey, Jopie, Amaretto


Mykey Berlin »Endlich Weihnachten« (2010)

Des einen Amarettorausch, des anderen Leid. Oder so. Jedenfalls verschied gestern völlig unerwartet, in der Blüte seiner Schaffenskraft, Jopie Heesters. Was für eine verkackte Weihnachtsfeier! Virtuelle Halbmastbeflaggung für den ältesten praktizierenden Punkrocker der Niederlande. ;o)

Örmja, das Fest muss weiter gehen! Amarettooooooo!!!


Buck Satan & The 666 Shooters »Down The Drain« (»Bikers Welcome! Ladies Drink Free«, 2011)

24.12.2011

mit 666 Jahren

Nun isses also soweit: Während sich die Republik nach Wochen des Ellbogeneinsatzes nahe am Nervernzusammenbruch darauf vorbereitete, drei Tage lang nichts zu tun als zu fressen und zu saufen, wird Lemmy heute 66! Reife Leistung, wenn man mal bedenkt, auf welch klägliche Lebensdauer es der heute gefeierte Erlöser selbst brachte... ;o)

Was auch immer heute gefeiert wird, Hauptsache ist, wie immer, dass überhaupt gefeiert wird! Und dabei wünscht der Channel666 maximale Erfolge!!!


Motörhead »Killed By Death« (»No Remorse«, 1984)

Passend zum Fest... etwas feierliches zum Schluß! Engtanzrunde!!! ;o)


Buck Satan & The 666 Shooters »Take Me Away« (»Bikers Welcome! Ladies Drink Free«, 2011)

22.12.2011

Nebelmarsch durch die Dresdener Heide

Schöne Tradition ist eine kleine Wanderung ein oder zwei Tage vor Weihnachten geworden. So auch dieses Jahr. Läden überall voll - Wald leer. Diesmal ging es einmal im Zickzack quer durch die Dresdener Heide (weitere Bilder hier). Öko, bio und toll...: An- und Abreise mit Bus und Bahn. Erlebnisse in den öffentlichen Verkehrsmitteln bilden dann noch den humorigen Rahmen dazu...

Dottore Minimi in seiner Praxis

Auch immer wieder schön (man nutzt viel zu selten das großartige Unterhaltungsprogramm der Verkehrsbetriebe!): Was der bunt zusammengewürfelte Menschenzoo in einer Straßenbahn so alles anstellen kann...

Ältere Dame verschafft sich per strafraumtauglichem Körpereinsatz Zutritt zum Stromschuh vor einem jüngeren Herren. Darauf stellt dieser fest: »Immer die Alten...«. Ältere Dame: »Werden Sie erstmal so alt.«. Junger Mann: »Da hab ich ja noch was vor mir!«. Dame: »Wenn Sie das überhaupt schaffen.« Mann: »Geht klar.«. Dame: »Werden Sie erstmal 80, dann können Sie mitreden!«. Er schweigt, sie teilt noch gut für alle anderen Passagiere verfolgbar mit, dass sie ja nun heim müsse, ihr Mann hätte Kaffee gekocht, aber sie musste noch für den Urenkel ein Geschenk kaufen und die vorhergehende Bahn musste sie wegen Überfüllung sausen lassen. So was. Im nachmittäglichen Berufsverkehr!

Wie auch immer, solche rührenden Szenen sind gerade jetzt, wo es wieder wärmer wird, das Fahrgeld so was von wert! ;o)

Helma & Christian

Da vergißt man glatt die restlichen Herzenswärmer dieses Tages! Helma ist wieder da!!! Und der Bupräsi hat sich entschuldigt!!! Hach nee, watn schöner Tag! ;o)


Buck Satan & The 666 Shooters »Quicker Than Liquor« (»Bikers Welcome! Ladies Drink Free«, 2011)

Ulkbär & Dre Imbicz

Bevor es gleich wieder vorbei ist. ;o)


Ulkbär Weihnachtsfolge...


...und verschneites von Dre Imbicz.

Außerdem der Onkel Al des Tages! Klingt im Grunde auch weihnachtlich, festlich auf jeden Fall!


Buck Satan & The 666 Shooters »Cheap Wine, Cheap Ramen« (»Bikers Welcome! Ladies Drink Free«, 2011)

21.12.2011

Freude!

Manchmal bringt der Weihnachtsmann die besten Geschenke schon vor dem St. Kilmister Tag. Außerdem sind selbstgebastelte Sachen seit jeher der Klassiker.


Warum erzähle ich das? Weil der beliebte Jungautor Til_o. mir heute in der schnuffeligen Atmosphäre des schon abgebauten Weihnachtsmarktes vor der Frauenkirche die gedruckte Version (so richtig mit Tinte und Papier!) unseres gemeinsamen Projektes »Rattenkampf« unter die Nase hielt. Da kommt fast sowas wie Vaterfreude auf und das ordinäre Apfelglühgetränk (schönen Gruß auch an Frau RWE, welche mitglühte!) bekommt schon fast einen schampusartigen Antrunk, hehe.

Frei nach Schumi - kurze Rede, langes Kinn... Was ich eigentlich sagen will: Danke, Alter! ;o)


Buck Satan & The 666 Shooters »Friend Of The Devil« (»Bikers Welcome! Ladies Drink Free«, 2011)

20.12.2011

Maschi & Präsi

In Zeiten der persönlichen Krise zeigt sich, wer wahre Freunde sind. Maschi ist einer, liest man (z. B. hier). Hat dem Bupräsi, als dieser sein Dasein noch als popeliger Ministerpräsident fristen musste, ohne Absprache über 40000 (vierzigtausend) Euro gestiftet um ein parallel zum Wahlkampf erscheinendes Buch mitzufinanzieren. Edel!

Ergibt drei Fragen...
1. War da der Privatkredit von einer halben Million schon aufgebraucht?
2. Hatte Maschmeyer deshalb kein Geld mehr für einen Rasierer (der Schnauzbart kam wohl erst nachher ab!)?
3. Was sachtn Veronica Ferres dazu?

Ach so, viertens: haben der Carsten und der Christian schon so was wie ein Ritual zwecks Blutsbrüderschaft abgehalten? Drollig.


Tarantella »Dame Fuego« (»Esquéletos«, 2005)

18.12.2011

damals war´s


Kiss »I« (»Music From The Elder«, 1981)

15.12.2011

gemischte Gedanken mitten im Advent [und Ausrufung des Al Jourgensen-Jahres]

Vorweihnachtszeit, anheimelnde Momente und scharfkantige Strapazen geben sich die Klinke in die zuckerwatteverklebte Hand. Während sich das gemeine Volk im Glühweinrausch die Kanten der Realität weichzeichnet, setzt die FDP zu nie geahnten Höhenflügen an! Bekommt natürlich nicht jeder mit, inmitten weihnachtlichen Markttreibens, selbst die FDP nicht, aber man kann ja nicht alles haben.

was der alte Kasache noch zu berichten wusste...

Zum Beispiel wollnse unserem Bupräsi an den Karren fahren. Aber nicht mit Christian Wulff! Erstens haben Bundespräsidenten prinzipiell eine Gute-Onkel-Aura, zweitens sind fünfhunderttausend Euro auf Kredit kein Geschenk, so was zahlt man ja zurück und drittens beteuerte er, dass er niemals etwas zu verbergen hatte und auch jetzt nicht habe. Wahrscheinlich in Zukunft auch nicht haben wird, nehme ich mal an. Und dann muss auch mal gut sein. Wo kommen wir denn da hin, wenn der Mittelstürmer des deutschen Volkes sich wegen jedem Brotkauf rechtfertigen muss?

Glühweinverdünner aus Minimis Rucksackbar ;o)

Außerdem, man ahnte es schon: messerscharfe und pfeilschnelle Recherche brachte es an den Tag: der bengalische Tango Dynamo Drježdźany feat. Borussia Dortmund wurde (das bringt mir nen Fünfer beim schmierigen Buchmacher des Vertrauens ein, yeeehaaaw!) von, naaaa, Nazis angezettelt. Rechtsradikale Kräfte aus dem, ähäm, Westen hätten sächsische Störenfriede aufgestachelt um ihre eigene Stärke zu demonstrieren. Da freuen wir uns natürlich, dass zumindest das Motto für die Anti-anti-Demonstrationen um das Dresdener Bombardementsjubiläum im Februar feststeht. »Mit Mut, Respekt und Toleranz - Dresden bekennt Farbe« heißt es, hoffentlich nicht schwarzgelb. Respekt!

Frauenkirche, Miami Beach

So, und weil es ist, wie es ist, weil es so sein soll und überhaupt dieser Blog von nun an nicht mehr ruhen wird, bis das letzte Lied von Buck Satan & The 666 Shooters gepostet ist, aber ein paar Tage nach Erscheinen des Albums noch nicht alle Tracks bei YouTube auf Einbettung warten, und auch, weil 2011 spontan noch zum Al Jourgensen-Jahr ausgerufen wurde (welches mit minimum einer Seligsprechung für den Maestro ausgeleitet werden sollte!), wollen wir uns eben ne andere Jourgensen-Perle anhören und zwar »Rehab«, welches, der Name lässt Großartigkeit erahnen, eine ordentlich rödelnde Coverversion des Amy Winehouse-Stückes darstellt. Hätten wir das auch besprochen...


Ministry »Rehab« (»Everyday Is Halloween - Greatest Tricks«, 2010)

Das soll es auch schon gewesen sein, muss schleunigst zurück an die Kanten der Realität. Man riecht sich! ;o)

14.12.2011

Meeeehr davon!

Muss gleich noch mal sein. Man will ja nicht sein halbes Leben umsonst gewartet haben... ;o)


Buck Satan & The 666 Shooters »Medication Nation« (»Bikers Welcome! Ladies Drink Free«, 2011)

PS: Möge der große Manitu dem Weihnachtsmann gnädig sein, falls er sich erdreisten sollte, diese Platte nicht auf meiner Bettkante abzulegen! Ja, das war eine Drohung!

Buck Satan & The 666 Shooters

Jetzt macht das Leben wieder deutlich mehr Sinn!!! Dank Onkel Al... Yeeehaaaw!!! ;o)


Buck Satan & The 666 Shooters »What´s Wrong With Me« (»Bikers Welcome! Ladies Drink Free«, 2011)

12.12.2011

Netztheo

Man kann an manchen Tagen gar nicht so viel essen, wie man gern brechen würde. Keine neue Erkenntnis, aber heute wurde sie mal wieder aufgefrischt.


Die Apokalyptischen Reiter »March Of Revenge« (»Allegro Barbaro«, 1999)

Wie man lesen kann (z. B. hier), hat Karl Theodor zu Guttenberg einen neuen Posten. Ist ja zuerstmal beruhigend. Schließlich hat er Frau und Kinder zu ernähren und so ein ALG-1 ist ja auch kein ewig dehnbarer Kaugummi. Aber dann beginnt die Sache auch schon zu korken. Er arbeitet ab demnächst für die EU (tatam!) als Berater für Internetfreiheit (taramtatam!)! Ausgerechnet unser Raketentheo!!! Fiel dem Doktor nicht unlängst das böse Internet noch schwer auf die Füße (jaha!!! Copy & Paste sind die Stichworte!). Aber so schnell sind kleine Schwindeleien, ach was, Notlügen (gibt des da vielleicht eine Verkleinerungsform? Notlügchen?) heutzutage vergessen. Und falls der Wähler daheim (er, also Theo, nicht der deutsche Wähler, hat ja jetzt die Arbeitsbasis USA für sich entdeckt) wider seiner Natur doch nachtragend sein sollte - Brüssel ist weit weg. Brüssel, Belgien, Kinder, da war doch mal was, Frau zu Guttenberg, Ihr Einsatz vielleicht? Doublecomeback?!

Bizarr ist das Wort, welches für meinen Geschmack die Szene am besten umschreibt. Augerechnet einer, der im eigenen Land politisch unangenehm über seine mangelnde Moral stolperte, nachher im Ausland herumkrakeelte, wie unfähig die Parteigenossen seien (nein sind, da hat er gar recht, nur: er ist einer von ihnen) und über die Unfähigkeit der EU zur Bewältigung ihrer hausgebrauten Krisen lamentierte, wird Berater der Europäischen Union? Wie verkommen ist der Laden eigentlich? Aua, aua, aua... Und dann noch zum Thema Internet... Und Ralf Minge sitzt zuhause!


Knorkator feat. Tim Tom bzw.
Tim Tom feat. Knorkator bzw.
Tim Tom feat. Rummelsnuff feat. Knorkator bzw.
Rummelsnuff feat. Tim Tom feat. Knorkator bzw.
Knorkator feat. Rummelsnuff feat. Tim Tom bzw.
Knorkator bzw. Rummelsnuff bzw. Tim Tom feat. einander »Arschgesicht« (»Es werde nicht«, 2011)

Eurodisco


Bis »Eurodisco« (»Social Dancing«, 1999)

11.12.2011

Glüh!


Das muss auch noch schnell gepostet werden, weil es einfach skurril und prima zugleich war. Beim Bummel durch das weihnachtlich geschminkte Freiberg, bot ein Klamottenladen Glühwein für 50 Cent feil. Tasse gabs gleich dazu. Das ist mal erzgebirgische Gemütlichkeit! Trinkt man vielleicht 10, hat man auch noch nen Fünfer für ne Mütze oder so was übrig... ;o)


Leæther Strip »The White Disgrace« (»Underneath The Laughter«, 1993)

Wahlkampf, made in USA

Warum sollte dieser Sonntag nicht lustig beginnen?





10.12.2011

Riesenrad @ Glühwurstmeile Hauptstrasse, DD


Wenn es draußen stürmt und schneit, ja dann ist er nicht mehr weit... behauptet eine alte Volksweise. Momentan wird es gerade wieder Frühling. Warum auch nicht? Trotzdem: glüh- räucher- und bratgemütliches Wochenende allerseits! ;o)


Impaled Nazarene »Ghost Riders« (»Decade Of Decadence«, 2000)

08.12.2011

Bomben, Panzer, Räucherkerzen

So, wir wollen nicht vergessen, dass bald der Jahrestag unseres Heilands ins Haus steht. Aus diesem himmelhochjauchzenden Anlass entschloss ich mich vorhin, die nächste Kerze unter dem Kunststoffbaum (wegen Umweltbewußtsein und so - rettet den Wald im Erzgebirge!) für unsere Jungs, die nicht etwa der höheren Besoldungsstufe wegen im afghanischen Hinterland campieren, sondern um den Feind quasi schon an der Mittellinie aufzuhalten (Pressing, Preeesssinnng!), ein Kerzlein anzuzünden. Doch, was reißen einen da nicht für schauerliche Meldungen aus dem wärmenden Nebel der Räucherkerzen!

Das muss man sich mal vorstellen: eine Briefbombe (die aus Tradition nie beim Adressaten zünden), verschickt von italienischen Linksextremisten sollte dem Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, in der kalten Jahreszeit die Daumen wärmen. Ist das der Dank dafür, dass der Durchschnittsdeutsche jährlich im Durchschnitt dreihundertzwölf Tiefkühlpizzen verzehrt?

Außerdem: der Deutsche Fussball-Bund sperrt die ruhm- und siegreiche SGD für ein Jahr in den Pokal-Hungerturm. Weil sich jeder hundertste Dynamo-Fan daneben benimmt. Wobei wir klar wissen: der Krawallmacher ist natürlich im Sturm (!) und auf der rechten Außenseite (!! [dritter Fussballbildvergleich in einem Text - falls Marcel Reif mal keine Zeit hat, ich nehm sie mir]) des Ostens wirbelwindig wie weiland Ralf Minge unterwegs. Dagegen sind wir natürlich alle, Menschenkette statt La Ola ist das Stichwort.

Und dann noch: Deutschlands christlich geprägte und damit äußerst liebenswürdige Regierung verkauft Saudi Arabien die Kleinigkeit von 270 Leopard 2-Panzern. Aus Nächstenliebe sicher fast zum Selbskostenpreis.

Wir sehen: der pechschwarze Reebok des Todes™ bedroht die Pariser Innenstadt. Rettung nacht nicht, weil wir und unsere Verbündeten in Afghanistan nun mal genug zu tun haben! Was jetzt?

Das ist alles so was von anheimelnd, gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit. Was machen eigentlich unsere Kriegsdienstnichtverweigerer am Hindukusch? Einheimischeabknallen für ein gesünderes Europa ohne Waffen, Briefbomben, und Hooligans? Danke Jungs! rufe ich daher der Truppe, unserer Truppe entgegen. Warum daheim kämpfen, wenn das Gute so fern liegt?

Frohen Advent zusammen! (Für Frieden und... siewissenschon...)


Apoptygma Berzerk »Electronic Warfare« (»The Apopcalyptic Manifesto«, 1998)

05.12.2011

Rattenkampf, Kapitel 16 - FINALE

So, nun kommen wir also unweigerlich zum Ende. Vorab: Spaß hat es gemacht, aber irgendwie auch mehr Arbeit, als in anfänglicher Sektlaune vermutet. Schön, wenn es außer den Beteiligten noch irgendwem Freude gemacht hat dranzubleiben. Am Ende des Textes gibt es noch ein handgebasteltes Video mit chronologisch die Handlung erzählenden Bildern aus der digitalen Feder Til_o.s und ein bisschen elektronisches Gedöns dazu. Das haben wir allerdings nur ins Netz gestellt, um hinterher mit einem Multimedia-Projekt rumposen zukönnen, hehe...

Okay, dann ein letztes mal: LOS!


Octapolis & Til_o. »Joe Black« (2011)

Kapitel 16

Sie schoß sofort. Den Wagen, der genau vor der Haustür parkte, konnte sie durch das Treppenhaus sehen. Er gehörte nicht hierher und paßte auch nicht in das vornehme Viertel. Die Seitenscheibe war heruntergekurbelt. Das gab ihrer Ahnung Gewißheit, und sie zog ihren Revolver und steckte den Schalldämpfer auf.
Mitten zwischen die Augen getroffen, sackte er auf dem Beifahrersitz zusammen. Dort hatte er Stellung bezogen, um näher an der Haustür zu sein.
Sie setzte sich hinter das Lenkrad, drehte den Zündschlüssel um und fuhr langsam aus der Parklücke.
Im Radio hatte er einen Klassikkanal gewählt; sie brachten irgendetwas von Claude Debussy. Sie drehte die Musik lauter, bog um die Ecke und fuhr stadtauswärts. Ein zufälliger Beobachter mußte annehmen, daß der Wagen auf sie gewartet hätte, um sie abzuholen.

Ihre Kokainvorräte hätte er beinahe vergessen. Er schloß den Tresor noch einmal auf, und legte sie neben seinen Revolver. Hier drin waren sie vor der Polizei sicher.
Die Bullen würden den Safe hinter dem Bild an der Wand für bare Münze nehmen und so tun, als würden sie sich die Zähne daran ausbeißen. Den richtigen Tresor im Schreibtisch würden sie für nicht existent erklären.
Sie hatten kein Interesse daran, im Schmutz stinkreicher Wirtschaftsbosse zu wühlen. Sollten sie sich doch gegenseitig umbringen, ihnen war es recht. Direkt nachweisen konnte man ihnen in den meisten Fällen ohnehin nichts. Weder ihre Wirtschaftsverbrechen, noch einen Mord. Das Einzige, was die Bullen bedauerten, war die Tatsache, daß man sie nicht einfach mal so zusammenschlagen konnte, wie den Kleindealer von nebenan.
So ein wohlgefüllter geheimer Schrank ist der Fluch, der auf allen Staatsanwälten lastet. Ist er einmal offen, müssen sie ermitteln, und das jahrelang mit einem Personalaufwand, der jedes Gericht finanziell in die Knie zwingt, und mit dem Ergebnis, den Tresorbesitzern nur eine Steuerhinterziehung im vierstelligen Bereich nachweisen zu können. Wider besseren Wissens gingen sie ansonsten straffrei aus. Die Blamierte war die Justiz, die mit einem Millionenaufwand nur einen Strafzettel ausstellen durfte.
Der Tresor würde geschlossen bleiben. Wer ihn aus dem Nachlaß erwerben erwerben würde, wußte er nicht. Aber daß dieser nicht zu den Ärmsten gehörte, verstand sich von selbst. Der Schreibtisch besteht (bestand) aus verschiedenen Harthölzern, war kunstvoll gearbeitet und allein schon ein Vermögen wert.
Um den Tresor zerstörungsfrei öffnen zu können, bedurfte es eines Spezialisten, eines Haufens moderner Technik und damit wieder Unsummen an Geld) Wer viel Geld hat, hat aber auch viele Sorgen.
Er würde den Schreibtisch bald wiedersehen.

Draußen vor der Stadt bog sie rechts auf einen Feldweg, der mitten durch ein Maisfeld führte, ab. Von der Straße aus war der Wagen kaum zu sehen. Neben ihr lag zusammengesunken ein Greenhorn Ende 20. Sein Paß gab nicht viel her. Wie sie vermutet hatte, kam er aus den Staaten. Für seine Pistole hatte sie nur ein Kopfschütteln übrig.
Ein Schießprügel vom neuesten Modell. War der zweimal in den Dreck gefallen, gab es bei jedem zweiten Schuß eine Ladehemmung. Hochgeschwindigkeitspatronen und der Schalldämpfer waren schön blankpolierter Schrott. So klein und schmal, daß er nach dem vierten Schuß so heiß war, das man ihn nicht mehr anfassen konnte.
Die gesamte Waffe glitzerte wie ein Kronleuchter. Auffälliger ging es fast nicht mehr. Das war kein Professioneller. Vielleicht ein Kopfgeldjäger, aber kein Killer. Er konnte ihr im Prinzip dankbar sein. Mit dieser Kanone hätte er sich früher oder später selbst ins Knie geschossen.
Geld hatte er auch keines weiter bei sich. Die Kreditkarten und seinen Paß behielt sie erst einmal für sich. Ihn kippte sie einfach aus dem Wagen und zog ihn ins Feld. Seine Knarre nahm sie auseinander, und die Einzelteile flogen bei der Weiterfahrt nacheinander aus dem Fenster. Später im Hotel würde sie seinen Paß prüfen und abwägen, ob sie damit als Mann durch eine Kontrolle käme. Wenn nicht, würde sie sich einen anderen, passenden besorgen. Mit etwas Wehmut dachte sie an den Joker. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben und man sieht sich im Leben immer zweimal.

Die Bullen ließen sich Zeit und als sie endlich da waren, benahmen sie sich wie erwartet. Sie stellten ein völliges Desinteresse zur Schau. M.s liebevoll gekochtes Essen wurde von ihnen mehr beachtet als ihre Leiche. Von einer Tatortsicherung gab es keine Spur. Ihr Leichnam wurde fotografiert, das war alles.
Niemand fragte ihn, was er hier zu tun hatte. Sie grinsten ihn nur an. Die Wohnung durchsuchten sie gar nicht und seine Aussage mußte er ihnen förmlich aufzwingen.
Für sie war die Sache völlig klar. Es gab ein Exemplar von diesem stinkreichen und nichtstuenden Dreckzeug weniger auf der Welt. Für sie war das eher ein Grund zum Feiern, als zum Ermitteln.
Eine Stunde später stand er wieder unten auf der Straße. Daß die M. tot war und er sie nicht mehr sehen konnte, wurde ihm erst jetzt richtig bewußt. Er hatte sich geschworen, alles zu tun, um nie in so eine Situation zu kommen. Jetzt steckte er trotzdem in dieser Herzscheiße fest.
Dagegen war er machtlos, wie jeder Mensch und jede Ratte es war. Er bog ab und ging in den Park. Er suchte die Stelle, von der aus man ungesehen das Haus der M. beobachten konnte. Hier mußte sie gestanden haben, die Frau um die dreißig. Als er da oben auf ihr lag, hätte er sie beinahe nach ihrem Namen gefragt, so kaputt war er inzwischen.

Als er mit ihr schlief, wollte er sich nur gegen die Gefühle wehren, die er für die M. empfand. Es gelang ihm nicht. Er mußte dabei an sie denken und bereute schließlich, daß er die Ausweglosigkeit seiner Laborratte ausnutzte und sich an ihr verging. Diese anschließend noch zu demütigen, sie zu zwingen, daß sie sich bettelnd vor ihm erniedrigt, war nicht seine Absicht gewesen. Das ergab sich so und ihm war es recht, daß sie es annahm. So war der Abzweig zu ihr auf dem Weg zu sich selbst versperrt und der Wegweiser sollte eindeutig zur M. weisen. Jetzt, nach dem die M. tot war, stand er hier im Park, an »ihrer« Stelle, als würde er sich bei ihr für das Geschehene entschuldigen wollen. Sie selbst war nicht sein Feind – nur ihr Auftrag. Diesen nicht als gegen sich persönlich zu sehen, war professioneller Rattenalltag.
Zu spät. Sie war inzwischen hoffentlich weit weg. Aber vielleicht könnte er sich bei ihr später reinwaschen. Er und sie hatten genug gemeinsam. So wie ein Unheil anderes Unheil anzieht, würden sie beide früher oder später wieder voreinander stehen.

Der Ukrainer hatte noch auf. »Wie immer?«, fragte Dimitri »Nein, für immer.«, antwortete er. Dimitri lachte und packte ihm zu den Zigaretten, deren Anzahl er verdoppelte, noch zwei große Flaschen Wodka in seinen Beutel. »Brauchst du mein Zimmer?« Der Joker nickte. »Für drei Tage, wenn es geht.« Es ging.
Dimitris Zimmer lag in der Nachbarschaft unterm Dach eines ruhigen Hauses. Er hatte es angemietet, um sich von seiner Frau unentdeckt seinen amourösen Abenteuern widmen zu können.
»Sie ist schön? Nicht wahr?« Wenn er mal einen Seelenklempner brauchen würde, wäre der Ukrainer die erste Wahl.
Das Zimmer war eine kleine Wohnung, mit allem was man braucht. Er stellte die eine Flasche Wodka in den Kühlschrank, die andere warf er auf das Bett. Sein Körper dampfte noch von der heißen Dusche, als er sich neben sie legte.
Hier bei Dimitri fühlte er sich fast geborgen. Das Zimmer beruhigte ihn. Der Fernseher warf ein buntschattiges Flimmern an die Wände und dudelte ungehört vor sich hin. Die kleine Leselampe beschien mit ihrem dämmrigen, warmen Licht beinahe alltägliche Normalität. Als wäre er jetzt gerade von einer Arbeit beim Gleisbau gekommen und nicht von einer Leiche. Nicht von der toten M. sondern von einer anonymen Leiche, wie man sie im Herbst, bei Regenwetter im Stadtpark findet. Er war bereits dabei alles zu verdrängen, und Dimitris Zimmer, die ungewohnte Umgebung, die vermeintliche Normalität und der Wodka würden ihm dabei helfen. Wenigstens für die nächsten 2 Tage. Dann war das Schlimmste überstanden und er würde ein paar fast überfällige Lektoratsarbeiten beenden können.
Eine halbe Flasche Wodka hatte er bereits getrunken. Wie ein Spiegeltrinker, der schnell wieder auf seinen Wohlfühlpegel kommen will. Schluck für Schluck, um möglichst viel Alkohol schon über die Mundschleimhaut aufnehmen zu können, den Geschmack des unverhofft doch recht guten Wodkas genießend. Der Alkohol tat seine erwünschte Wirkung. Ihm wurde warm, sein Körper entkrampfte und eine wohltuende Ruhe deckte ihn zu. Jetzt konnte er M’s Vermächtnis ertragen, auch wenn es gar nicht an ihn gerichtet war.

»An meinen lieben Little Big Joe Black.« Er mußte grinsen, der Wodka machte es ihm leicht. Was wäre wohl dem armen Joe alles durch den Kopf geschossen, hätte er jetzt diesen Brief in der Hand. Nichts Gutes vermutlich. »Wie bin ich gestorben? An einer Überdosis Schlaftabletten in einem Schweizer Sanatorium? An einer Alkoholvergiftung? Oder bei einem Verkehrsunfall? Ich denke, du hast mich mit einem standesgemäßen und schnellen Tod bedacht, der nicht viel Staub aufgewirbelt hat. Warum auch immer.
Sicher hattest Du gute Gründe dafür, obwohl ich mir nur einen Grund, eine jüngere, mittellose Frau, für die Du mein Vermögen vorgesehen hast, vorstellen kann. Du wirst sicher verstehen, daß ich das nicht hinnehmen kann. Wenn ich schon meinen Tod nicht verhindern konnte, oder ihn nun nicht mehr verhindern kann – vielleicht lebe ich ja noch, wer weiß das schon? – so möchte ich Dir zumindest ein Abschiedsgeschenk, eine kleine Freude bereiten.
Was um alles in der Welt hat Dich bewogen, dieses Dossier anzulegen? Und es noch dazu mit allen Akten zu untermauern? So eine Art Lebensbeichte? Oder wolltest du dir damit beweisen, was für ein toller Hecht du bist? Die Unterlagen alleine wären schon ein gefundenes Fressen für deine Konkurrenz gewesen – ich kenne da ein, zwei Adressaten, die Schaum vor dem Mund bekämen, wenn sie das läsen. So bekommt der Staatsanwalt noch von Dir höchstpersönlich Amtshilfe.
Gut, er wird dich für allerhöchstens 5 Jahre hinter Gitter bekommen und der Schadenersatz, den Du bezahlen mußt, ist geradezu lächerlich. Aber hast Du schon mal daran gedacht, was passiert, wenn Du im Gefängnis sitzt?
Bestimmt. Deine Geschäfte gehen weiter und Du hast genug Vasallen, die den Laden, von Dir gesteuert, am Laufen halten. Soweit hast Du Recht. Aber, was ich die ganze Zeit andeuten wollte, ist, daß jetzt nicht nur das Gericht einen Teil der Akten bekommt, sondern auch Deine Dich liebenden Geschäftspartner und solche, die es werden, wenn sie Deine Unterlagen in den Händen halten.
Erst werden sie eine feindliche Übernahme nach der anderen starten und Dich aus allen Geschäften drängen. Sie werden Dir überall das Wasser abgraben, Deine Verbündeten unter Druck setzen usw... Sie werden deine gesamte Palette an schmutzigen Tricks bedienen und auf Deiner Klaviatur Dein Requiem spielen.
Sollen sie nur, wirst Du jetzt sagen. Das Geld, was Du auf der hohen Kante hast, reicht locker für einen Neuanfang. Sicher, aber der wird Dir nicht vergönnt sein. Drinnen im Knast bist du schutzlos. Dein Hochmut gewissen Kreisen gegenüber rächt sich da gewaltig. Die haben auch ihre Ehre im Leib. Du bist tot, mein Liebling.

Bleibt die Frage zu klären, wie ich in Deinen Safe gekommen bin. Goethes Hexeneinmaleis: ›Du mußt versteh’n! – Aus Eins mach Zehn, – Und Zwei laß geh’n, – Und Drei mach gleich, – So bist Du reich. – Verlier die Vier! Aus Fünf und Sechs, – So sagt die Hex’, – Mach Sieben und Acht, – So ist's vollbracht: – Und Neun ist Eins, Und Zehn ist keins. – Das ist das Hexen-Einmaleins!‹
Es paßt zu Dir, mir das Bild vor die Nase zu hängen. Ein magisches Quadrat, dessen Summen immer 15 sind. Die Quersumme von 15 ist 6. Das ergibt 666 666 oder zweimal die Zahl des Teufels, der Du gern selbst gewesen wärst. Vielleicht war es als Notöffner gedacht, bevor Du das Dossier angelegt hast. Wie dem auch sei – ich mußte nicht lange überlegen, um zu wissen, was Du mir da schenktest.
Ich hoffe, Du bist mir nicht böse? Nein, sicher kannst Du mich verstehen. Mein Erbe kannst Du nun genießen. Bis auf diverse Kleinigkeiten, wie die Wohnung hier. Aber Näheres erfährst du zur Testamenteröffnung. Bis dahin, alles Gute!
Ach ja, die Unterlagen, außer die von meinem Vater, werden im Falle meines Todes oder auf meine Anweisung hin per Kurier verteilt. Die Rechnung dafür ist bereits bezahlt.
Abschließend möchte ich bemerken: Falls du jetzt eine Stärkung nötig hast, der Pernod steht im Kühlschrank.«

Danke M. Damit war er aus dem Schneider. Bei der wilden Hatz, die nun beginnen würde, spielte er keine Rolle mehr. Die Könige der Ratten würden sich jetzt gegenseitig an die Gurgel gehen und dabei die Karten neu mischen. Ihm konnte es egal sein. Als die leere Flasche auf den Boden rollte, schlief er bereits.

Drei Monate später.

Die Adresse, die als Absender der E-Mail angegeben war, kannte er. Es war dieselbe Wohngegend, in der auch die M. wohnte. Es war nur ein Haus weiter, näher am Park. Er sollte da vorbeischauen, man hätte eine interessante Entdeckung gemacht.
Ein älterer, dickbäuchiger, aber sehr beweglicher Mann öffnete ihm. Er nickte kurz und bat ihn herein. Ohne eine Erklärung führte er ihn in ein kleines Hinterzimmer. Dort stand der Schreibtisch der M., der Safe stand offen und auf ihm lag sein Revolver, M’s Kokain und seine Visitenkarte.
»Nun, mein Herr, ich wurde von Frau M. in ihrem Testament mit diesem Schmuckstück von einem Schreibtisch bedacht. Fragen sie nicht warum, ich werde es ihnen nicht erklären.« Er ging um den Schreibtisch herum, stützte sich auf und sah ihn fest an. »Gehe ich recht in der Annahme, daß sich der Originalschlüssel zu diesem Safe in ihrem Besitz befindet?«
Der Joker griff in seine Tasche und legte ihn neben seinen Revolver, aber der Mann winkte ab. »Nein, behalten sie ihn. Ich sehe, daß sie mein Mann sind. Wissen sie, ich habe natürlich keine Kosten gescheut und mir den Tresor öffnen lassen. Irgendwie ahnte ich, daß es sich für mich lohnen würde. Die M. war, sagen wir, eine Freundin des Hauses und wer sie auch erschossen haben mag, Sie waren es nicht. Aus diesem Revolver wurde die letzten Jahre kein Schuß abgefeuert. Das ist doch ihre Waffe?« Er streckte sie dem Joker entgegen, der nahm sie und steckte sie ein.
»Sie werden verstehen, daß ich mir wegen Ihrer Karte so meine Gedanken gemacht habe. Sie werden auch verstehen, daß ich Sie in meine Überlegungen und Recherchen nicht einbeziehe. Aber ich weiß, daß diese nicht falsch sind und Sie erfreut über mein Angebot sein werden.« Er spreizt die aneinandergelegten Fingerkuppen vor seiner Brust und schaut scheinbar gedankenverloren in den Raum. »Wie sie vielleicht wissen, bin ich ein Mann, den man als vermögend bezeichnen kann. Dies ist an sich ein erfreulicher Umstand, aber wer Geld hat, hat auch Sorgen. Ich brauche jemanden, der diskret meine ...«


Octapolis & Til_o. »Rattenkampf« (2011)

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(Abspann & warme Worte des Dankes)

Ich möchte als erstes natürlich Til_o. danken. Er hinterfragte die Idee nicht unnötig, sondern legte los, wie, er möge mir verzeihen, ein Goldhamster in seinem Rad (auf Speed). Oder wie Schumi nach der Kurve, siewissenschon...

Außerdem Lizzard, die entgegen ihres guten Geschmacks den Text auf Fehler prüfte und mit vorgehaltener Waffe Präteritum, Komma und Plusquamperfekt in die Knie zwang.

Nicht zu vergessen Frau RWE, die, als die Säge mal kurzzeitig klemmte, todesmutig einsprang.

[An dieser Stelle gucken wir bitte alle gerührt und haben vielleicht etwas schmalziges im Stile von »My Heart Will Go On« im Hinterkopf!]

Fühlt euch umarmt!

[Kunstpause. Sacken lassen. Hach!]

Zu guter letzt innigsten Dank denen, die sich 16 Kapitel lang durch die Geschichte (ja, bevor jemand fragt, ich hab auch nicht immer allem folgen können, hehe) gelesen haben! Skål!!!

Eintrag ins Brigadetagebuch 2


Nachtrag: Minimis Autorennbahn! ;o)
[GEFÄHRLICH-KURVENREICH-ABER MIT GETRÄNKEN!]

So viel dann erstmal dazu. Nebenher rasseln die Hobel, rotieren die Bohrer und qualmt die Peripherie, um [KünstlicheSpannungErzeugungsLampeAN] den letzten Teil unseres »Rattenkampf«-Projektes samt Bild (aaaah!) und Ton (oooooh!) ins Netz zu wuchten. [KünstlicheSpannungErzeugungsLampeAUS]

Einstürzende Neubauten »Musentango« (»Silence Is Sexy«, 2000)

Eintrag ins Brigadetagebuch

Danke für den Tipp, in Weinböhla aufzuschlagen, dort war es echt nett. Außerdem gab es leckeren Apfelglühwein. Und viele Körperausfälle zu bestaunen... Bei einem Altersschnitt knapp unter hundert, warmen Getränken, bei warmen Temperaturen vielleicht auch normal, hehe... Wer kennt schon die Sitten der Einheimischen? Sehr schön, wird in den Kulturkalender 2012 auf jeden Fall aufgenommen!

Anschließend ging es, wie bereits geplant nach Altkötzschenbroda. Nun lag im Vorjahr Schnee, gestern lag die Abendtemperatur bei sommerlichen 10°C. Nun ja... Atmosphäre hat das trotzdem und man konnte auf den Turm der Friedenskirche steigen. Falls jemand noch keinen Weihnachtswunsch hat, wie wäre es damit, einmal den Kopf in Glockenhöhe zu haben, wenn diese schellt? Wärmstens zu empfehlen... ;o)

»Ich bin das Brot des Lebens« Johannes der Täufer war eigentlich innen Malfa, außen alte Rinde. Oder Bernd das Brot?

Läuft sich eigentlich bequem hoch, da haben wir uns schon durch andere Türmen gewendelt. Ist man dann oben angekommen, kann man tierisch unscharfe Fotos machen! Beweis:

das vorweihnachtliche Altkötzschenbroda von oben

Und anschließend, Bilder irgendwann später mal, ging es noch in Minimis Katakomben, wo sich derzeit eine gewaltige Autorennbahn befindet. Das echte Leben hat die bessere Grafik, keine Frage, jedoch muss man an der Playstation die Autos nicht jedes mal per Hand einsetzen, wenn man mal wieder mit Vollgas aus der Kurve geflogen ist... ;o)


Priklyutshenya Elektronikov »Prekrasnoe Daleko« (»Prekrasnoe Daleko«, 2001)
[Приключения Электроников »Прекрасное Далёко«
(»Прекрасное Далёко«, 2001)]

04.12.2011

digitales, herbsliches, weihnachtsmärktliches und anderes

Nun, da es draußen, nach wochenlanger Sonnendürre, endlich mal herbstgrau geworden ist, sollte man sich mal folgendes Video reinpfeifen. Es stammt von Tanguy Louvigny und wurde wohl mit irgenwelchen Kameras aufgenommen und digital verfeinert. Genaueres liest man auf seiner Homepage.



Sehr schön!

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Außerdem noch drei Bilder aus der Kunsthofpassage in der Dresdener Neustadt. Unscharf und nichtssagend (LoFi rules!). Kann man jedenfalls empfehlen: kleiner, schnuffeliger Weihnachtsmarkt in ohnehin schon gediegenem Ambiente. Geht wohl noch bis Dienstag oder so...


So, gut für heute. Später wird sich ein Kleinsttruppenteil des Channel666 nach Altkötzschenbroda bewegen, ehe man dort alle Glühgetränkevorräte alleine austrinkt. ;o) Jingle bells... bis neulich!


Kiske/Somerville »Nothing Left To Say« (»Kiske/Somerville«, 2010)

02.12.2011

Rattenkampf, Kapitel 15


Vorletztes Kapitel. Zeit, mal ordentlich auf die Trändrüse zu drücken. Oder an einer Fortsetzung zu schrauben. Oder die Fernsehrechte an RTL zu verscherbeln (wenn ich´s richtig verstanden habe, wird seitens der Grünen gerade ein bundesweites ARD-Verbot angeschoben?!)...

Moment mal, Hannes Jaenicke ist gerade im ICQ!.

Oder einfach noch schnell das meistgehörte Lied des letzten Tages abzuspielen...

Dann aber los!



Tulus »Space Oddity« (»Cold Core Collection«, 2000)

Kapitel 15

Zurück ging es genauso. Sie dirigierte und er gehorchte. Aber er hatte eine kleine Änderung eingeführt.
Sie hatte Angst vor ihm. Angst, in seine Nähe zu kommen. Das nutzte er geschickt aus. Er schob sie sich zurecht. Wie mit einem Gummiseil verbunden, zogen sie aneinander. Sie mehr, er weniger.
Seine vermutlich letzte Chance war das Parkett und ein uralter Trick, den anzuwenden er er sich fast schämte. An beiden Längsseiten des Esstisches lagen Läufer, die quer durch den ganzen Raum reichten und auf denen jeweils zwei Stühle aufgereiht waren.
Er stand neben dem linken Läufer, zwischen dem Tresor und den Stühlen. Wenn er jetzt einen Schritt zurücktrat, mußte sie einen nach vorn tun. Vorausgesetzt, sie durchschaute ihn nicht. Sie tat ihm diesen Gefallen. Erster Fehler.
Er schaute zur Seite in Richtung des Tisches, um sie abzulenken. Sie folgte seinem Blick. Zweiter Fehler.
Er ließ sich in die Hocke fallen, schnellte anschließend nach oben und riß dabei den Läufer mit hoch. Die Stühle krachten aneinander und ihr zog es die Beine weg. Sie ruderte mit beiden Armen, mit beiden Waffen in der Luft herum, um ihr Gleichgewicht wieder zu erlangen, anstatt sich fallen zu lassen und auf ihn zu schießen. Kein Fehler.
Wenn er tot war, blieb der Tresor zu.

Er lag auf ihr und sie gab sofort auf. Sie hätte keine Chance gehabt. Die Revolver lagen irgendwo im Zimmer. Er blieb auf ihr liegen und er hielt sie fest. Aber nicht so, wie man ein Opfer in Schach hält. Nach langem Zögern legte sie eine Hand um ihn. Er bemerkte es und lockerte seinen Griff. Eine halbe Ewigkeit später stand er auf und half ihr auf die Beine.
Es hatte keinen Sinn mehr. M. war tot und es war seine Schuld. Sie mußte das Risiko verringern und einen von beiden ausschalten, als sie hier eindrang. M. war für sie nutzlos, also mußte sie sterben.
Er hatte nicht vor, sie zu rächen. Sie hier ebenfalls umzubringen wäre sinnlos. Im Gegenteil, er brauchte sie jetzt, da die M. nicht mehr zur Verfügung stand, um den Inhalt des Tresors schnell zu Geld zu machen. Sie brauchte ihn, um unterzutauchen. Sie war fremd hier und er kannte jedes Rattenloch in dieser Stadt.
Pack schlägt sich, Pack verträgt sich. Ratten waren intelligente Tiere und ihr Überlebenswillen versetzte Berge. Wenn es die Menschen schon lange nicht mehr gab, würden die Ratten an ihre Stelle treten. Sie taten es auch jetzt schon.

666 666. Sechs mal die Sechs konnte man sich einfach merken. Der Safe war leer. Nein, nicht ganz. Ein Brief lag darin. »An meinen lieben Little Big Joe Black« las er tonlos vor. Sie ließ sich auf einen Stuhl fallen und stierte ins Leere.
Er hätte sie heute Nachmittag erschießen sollen. Wie eine Ratte. Jetzt war es dafür zu spät. Es machte keinen Sinn mehr. Den Brief steckte er ein. Er würde ihn später lesen.
Er hätte sie erschießen sollen. Aber es war aus seiner Sicht nicht notwendig gewesen. Er war kein Killer. Die paar Ratten, die er hatte abknallen müssen, zählten nicht.
Die Wohnung war clean. Hier gab es nichts mehr zu holen, nur in der Anrichte lag etwas Geld. Den großen Schein ließ er liegen, den Rest gab er ihr. Es würde für ein Ticket rund um den Globus reichen. Mit dem Rest konnte sie ein paar Monate auskommen.

Sie nahm das Geld wortlos, ohne hinzuschauen und steckte es ein. Das hieß, daß sie nun verschwinden und untertauchen sollte. Ihre Partnerschaft hat also ganze 5 Minuten gehalten. Es war besser so. Für ihn. Sie war die heiße Kartoffel, die jeder fallen ließ.
Gut, solange der Joker noch rein nach seiner Vernunft handelte, sollte sie sein Angebot annehmen und gehen. Laufen, so weit weg wie möglich. Egal, wo die Unterlagen nun waren. Ihre Zeit, sie zu besorgen, war abgelaufen.
Der tote Joe war ein Kolateralschaden, den ihre Auftraggeber billigend in Kauf genommen hätten, wenn sie in der Lage gewesen wäre, die Dokumente zu liefern. Die tote M. war, ohne die Unterlagen zu besitzen, eine Tote zu viel. Jetzt mußten sie annehmen, gelinkt worden zu sein. Glauben würde ihr keiner.
Ihr Blick ruhte auf dem Rücken des Jokers. So lange er lebte, würde er vielleicht das Feuer auf sich ziehen. Wenn sie nicht zu finden war, würden sie sich an ihn halten. Vielleicht hat er Glück und überlebt. Vorausgesetzt, die Dokumente tauchen nirgendwo auf. Dann würde vielleicht Gras über die Sache wachsen.
Es war auch gut möglich, daß sie auf seine Dienste zurückgreifen mußte. Zeit heilt alle Wunden, und Ratten erholten sich schnell.
Sie zog die Tür hinter sich zu und ließ ihn mit der M. allein.

In ihrer Stirn war nur ein kleines Loch. Ihr Kinn ragte unnatürlich nach oben und ihr Gesicht fiel steil nach hinten ab. So lag man auf den Rücken, wenn man keinen Hinterkopf mehr besaß.
7,62 x 38 mm Nagant, made in Belgium.
Sie war trotzdem noch schön. Das, was er da sah, war nicht die tote M., sondern ihr Gesicht von gestern Abend, als sie schlief. Das Einzige, was er noch für sie tun konnte, war sie mit der Decke zu verhüllen, unter der sie gemeinsam die Nacht verbracht hatten. Dann wandte er sich von ihr ab. Seine Pistole legte er in den Safe und einer Eingebung folgend, warf er etwas hinterher, bevor er ihn verschloß. Den Schlüssel steckte er ein.
Das war kein Risiko. Dann beseitigte er die Spuren des Kampfes. Er rückte den Läufer wieder gerade und stellte die Stühle wieder auf. Ihren Zweitschlüssel für die Wohnung legte er neben ihre Leiche. Dann nahm er das Telefon und wählte den Notruf der Polizei.


The Bangles »In Your Room« (»Everything«, 1988)

01.12.2011

Friedhof Echterdingen, Randnotitzen


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Tulus »Salme« (»Evil 1999«, 1999)

29.11.2011

Rattenkampf, Kapitel 14

»Kapitel vierzehn ist aber lang...« bemerkte Lizzard beim Kommaauspeitschen. Na und, dafür ist das Leben noch viel länger, auch wenn Jopie heute, kurz vor seinem 108. Ehrentag einen Schwächeanfall erlitt. Möge Odin ihm die Kraft geben, »Rattenkampf« noch bis zum Ende zu lesen! Ist ja sonst blöd, so was, mit angefangenen Serien. ;o)


Věra Špinarová »Kosmická láska« (1982)

Kapitel 14

In seiner Pension duschte er und zog sich um. Jetzt war er wieder der gutaussehende Mann, der Eindruck hinterließ, und nicht der angepißte, stinkende Straßenköter, der sich durch sein Leben biß.
Er packte ein paar Sachen zusammen und legte sie neben seinen Laptop griffbereit auf die Bettcouch.
Wenn sein Plan schiefging, mußte er verschwinden. Nicht gänzlich, aber hier würde er nicht mehr ruhig schlafen können. Er muß jetzt zu der M. gehen und ihr reinen Wein einschenken. Wenn sie es schluckte, hatte er die ganze Nacht Zeit, mit ihr zu reden. Er hatte keine Angst davor. Nicht vor ihr. Er hatte nur Angst, daß sie ihn rausschmiß, ohne daß er sich erklären konnte.

Die Kerzen standen bereit und das Essen noch in der Küche. Sie hatte schon seit Ewigkeiten nicht mehr gekocht und erstaunt festgestellt, daß es ihr Spaß machte. Wahrscheinlich kam es darauf an, für wen man in der Küche stand.
Morgen waren sie in den Staaten. Joe Blacks Leiche war von der Polizei freigegeben worden und eine Unterschrift von ihr genügte, um sie in die Schweiz überführen zu können. Auf dem Seeweg natürlich. Joe haßte das Meer und nun hatte er alle Zeit dieser Welt, seine Heimfahrt zu genießen.
Sie war guter Dinge, wie schon lange nicht mehr, und sie freute sich auf alles – auf ihn, auf das Essen mit ihm, die Nacht mit ihm und auf die Reise mit ihm.
Als er in der Tür stand, war sie glücklich. Er nicht. Er schien etwas bedrückt und niedergeschlagen zu sein. Aber sie beschloß, dies zu ignorieren. Nach dem Essen sieht die Welt für gewöhnlich anders aus; und sie hatten ja genug Zeit, darüber zu reden.

Die attraktive Frau um die 30 stand plötzlich im Zimmer, erschien unvermittelt, wie ein böser Geist. Als der Joker sie bemerkte, war es bereits zu spät. Er hätte sowieso nichts mehr tun können. Sie schoß sofort und das Hirn der M. spritzte gegen die Wand, noch bevor es zu Ende überlegen konnte, wo diese Frau plötzlich hergekommen war. So war der Fairness Genüge getan. Es gab nur noch sie und ihn.
Sein Hirn hatte keine Lust, zermatscht an der Wand zu enden und schaltete alle Regionen ab, die etwas mit Gefühl zu tun hatten. Er war eiskalt und in den Überlebensmodus geschaltet.
Er hätte sie erschießen sollen. Kein Hahn hätte mehr nach ihr gekräht. Die Polizei nicht, ihr Auftraggeber nicht und der Killer, der ihr auf den Fersen sein mußte, auch nicht.
Unaufgefordert ging er rückwärts zum Tresor, die Arme leicht nach außen gebogen und die Handflächen ihr zugewandt. Sie bedeutete ihm stehenzubleiben.
Seine Augen taxierten sie. Ihre Miene war angespannt, aber sonst ausdruckslos, und sie sah aus, wie aus dem Ei gepellt. Als hätte es den Nachmittag und das Stundenhotel nicht gegeben. Sie ging um ihn herum und durchsuchte mit einer Hand die Fächer des Schreibtisches rund um den Tresor.
Sie tat gut daran, denn sie fand seine Waffe. Sie lag schon seit gestern Abend dort. Sie glich ihrer eigenen aufs Haar. Derselbe kurzläufige Revolver mit einer 6 Schuß Kammer und einem abgesägten Korn. Sogar die Patronen waren identisch. Sie ging den Weg zurück, ihre Waffe auf ihn gerichtet und darauf bedacht, ihm nicht zu nahe zu kommen.
Dann ging es weiter in die Küche. Sie dirigierte ihn mit dem Lauf der Pistole. Er mußte ihr folgen. Am Besteckkasten angelangt, griff sie sich den Tresorschlüssel und warf ihm diesen zu.

Die Handschellen waren ein Witz. Das waren Billigteile aus dem BDSM-Zubehörhandel. Aber auch höherwertige, selbst solche, die die Polizei nutzte, waren schnell aufzubekommen.
Sie funktionieren alle nach demselben Prinzip. An einem Bügel ist ein Zahnkranz eingefräst. Schließt man die Schelle, ratscht eine bewegliche Sperre über den Zahnkreis, die sofort in ihn einklinkt, wenn man den Bügel wieder in die andere Richtung ziehen will, also die Fessel wieder lösen möchte. Der Schlüssel ist im Prinzip nur ein Haken, der die Sperre wieder nach oben drückt, damit diese den Zahnkranz freigibt.
Es gibt zwei Möglichkeiten, die Sperre auch ohne Schlüssel aufzuhebeln. Entweder man bastelt sich aus einem festen Stück Draht – beliebt sind dafür Haar- oder Büroklemmen – einen Haken, den man direkt an der Schelle zurechtbiegen kann und benutzt ihn als Schlüssel. Oder man nimmt einen schmalen, leicht elastischen Plastikstreifen, führt ihn einfach seitlich in die Schelle ein und drückt ihn zwischen Sperre und Zahnkranz - ist die schnellere und elegantere Lösung, wenn man über ein geeignetes Stück Plastik verfügt.
Sie hatte sogar zwei davon. Ihre Vorliebe für klassisch geschnittene Blusen, mit hochaufstehenden Kragen half ihr, sich aus dieser mißlichen Lage zu befreien. Vorne im Kragen, rechts und links, waren zwei passende Streifen eingearbeitet, die diesen nach oben versteiften. Früher benutzte man statt Plastik- Pappstreifen, die man vor dem Waschen einfach herausziehen konnte, wie bei ihrer Bluse.
Der Joker hatte ihr die Hände nach vorn um das Bettgestell gefesselt, so daß sie problemlos an die Streifen kam. Sie war schon frei, als er sich draußen anschickte, daß Zimmer für drei weitere Tage zu bezahlen.

Sie war also schon mal in dieser Wohnung gewesen und hatte diese durchsucht. Das konnte nur während ihres Opernbesuches gewesen sein. Die hier verbauten Schlösser waren keine große Hürde. Den Tresorschlüssel hatte sie gefunden, aber ihr Photo mit Joe Black übersehen.
Sie machte viel zu viele Fehler, um in diesem Gewerbe alt werden zu können. Mit dem Rücken zur Sitzecke stehend, warf sie ihm den Tresorschlüssel zu.
Über ihre Schulter sah er, daß dieses Schwarz/Weiß Photo fehlte. Warum? Was wußte die M.? Er ahnte, daß es noch eine böse Überraschung geben würde. Das Bild war nicht zufällig verschwunden. Die M. hatte es abgenommen, damit er oder jemand anders es nicht zu sehen bekam. Nein, eher jemand anders. Die Bullen vielleicht. Das Kitschbild mit Goethes Hexeneinmaleins fehlte auch. In der Komposition der Bilder an der Wand klaffte ein Loch.
Darauf konnte er sich gar keinen Reim machen, aber seine dunklen Vorahnungen verdichteten sich.

Sie ging duschen, als er das Hotel verließ. Ihr Schlachtplan war klar. Sie würde im Park auf ihn warten. Dort im Gebüsch, wo sie schon einen halben Abend verbracht hatte. Er mußte noch einmal in die Pension zurückkommen, um sich umzuziehen. So in Jeans und Kapuzenshirt konnte er der M. nicht unter die Augen treten, das verschaffte ihr einen Zeitvorteil.
Fertig angezogen, nahm sie ihren Revolver aus dem Nachttisch. Die Patronen waren noch drin. Eine zog sie prüfend heraus. Er hatte sie nicht ausgetauscht. Warum sollte er auch? Er konnte nicht ahnen, daß sie sich so schnell befreien würde und ließ ihr die Chance, sich später eventuell ihren Weg freischießen zu können.
Seine Demütigungen waren nicht vergessen. Gerade in diesem Milieu, in dieser lausigen Gegend und diesem heruntergekommenen Hotel, schmerzten sie doppelt. Das hier kannte sie alles und sie haßte es. Sie haßte es, wie ihre versoffenen Eltern, die sie in so einem Umfeld haben groß werden lassen. Immer war dort einer stärker als sie und die Ratten kannten nichts anderes, als sich gegenseitig fertig zu machen.
Mit 15 Jahren gewann sie das erste Mal. Nicht gegen Gleichaltrige - darin war sie geübt - nein, gegen einen, der schon Mitte Zwanzig war. Sie war dabei, sie war gezwungen zu zusehen, was seine Freunde mit ihrer älteren Schwester machten. Die Brutalität war es nicht, die sie stark machte, die kannte sie, aber die Hilflosigkeit ihrer Schwester, dem ausgeliefert zu sein, schon. Zu oft hatte sie Ähnliches gesehen und war selbst, wie durch ein Wunder, bis jetzt davon verschont geblieben. Sie hätte es nicht ertragen und sie biß, sie riß ihm den Schwanz ab, als er es seinen Freunden gleich tun wollte.
Es stimmte schon. Täter suchten sich ihre Opfer nicht aus. Die Opfer boten sich an. Sie war keines, sie würde niemals eines sein.
Seine Pistole nahm sie mit. Es war ihr Startkapital in eine bessere Welt.
Madam M. mußte sterben. Das war sie dem Joker schuldig.


Nancy Sinatra »Sugar Town« (»Summer Wine« Single, 1966)

Doom 666: Pool of Booze, Booze, Booza

choose your weapon: brennendes Volbeat-Ticket

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Volbeat »Pool Of Booze« (»Live: Sold Out!« DVD, 2008)

24.11.2011

Rattenkampf, Kapitel 13

Jetzt schlägt es quasi dreizehn! Womit wir schon deutlich aufs Ende der ganzen Aktion zurutschen. Aber noch isses nicht so weit! ;o)


Gorf »Electronic Beat Bastards« (2002)

Kapitel 13

Sie goß sich nun doch einen Pernod ein. Ihre Telefonate waren überwiegend zufriedenstellend verlaufen. Die Nachricht vom Tod ihres Mannes hatte sich schon wie ein Lauffeuer verbreitet und niemand machte einen Hehl daraus, mit welcher Freude die Nachricht aufgenommen wurde und man ging ganz selbstverständlich davon aus, daß sein Tod in ihr ebenfalls kein Herzdrücken hinterließ, was ja auch zutraf.
Alle Angerufenen sicherten ihr tatkräftige Hilfe bei der Unternehmensrettung zu. Uneigennützig war das keinesfalls. Jetzt, wo ihr Mann nicht mehr da war, drohte der Kessel zu explodieren, den er all die Jahre im Zaum halten konnte. Wenn sie ihr halfen, Licht in das Dickicht seiner Geschäfte zu bringen, retteten sie sich nicht nur selbst, sondern beabsichtigten auch, näher an seinen Futtertrog heranzurücken.
Die Karten wurden gerade neu gemischt und sie, die M., würde sie verteilen. Daß sie dabei Zugeständnisse machen mußte, war ihr klar.
Teile und herrsche! Das würde ihr Credo sein. Damit würde sie besser fahren als ihr egozentrischer Mann. Sein Absolutismus hatte ihn ins Grab gebracht. Sie schenkte sich nach und rief in der Schweiz an. Sie kannte dort einen netten kleinen Friedhof …

Der Joker wußte, wer sie war. Er hat es vielleicht nicht von Anfang an gewußt, aber spätestens, als er zu ihr in das Lokal kam. Er war nicht Macht seiner Gewohnheit dorthin gekommen, wie sie gehofft hatte; nein, er hat ihr eine Audienz gewährt.
Ohnmächtige Wut stieg in ihr hoch, aber sie war eine zu gute Schauspielerin, um es ihn merken zu lassen. Sie hatte ihm sowieso schon zu viel erzählt. Niemand ist vollkommen. Auch der Joker nicht. Er konnte ihr entweder zu hören und auf ihr Geplapper eingehen oder den Lügendetektor spielen. Beides zusammen ging nicht.
Er verhielt sich nicht so, als hätte er die Chance, eine attraktive junge Frau kennenzulernen. Er betrachtete sie nicht wie eine Frau, die ihm ihre Zuneigung antrug, sondern er beobachtete eine Laborratte. Sie war seine Ratte. Woher wußte er es? Egal, auch Ratten haben Zähne. Er war also im Bilde.
Warum war er dann hier? Weil er nicht wußte, was er tun sollte. Er konnte die Brisanz der Dokumente nicht einschätzen und mußte sie unbedingt zu Geld machen. Gut, sie hatte auch nur eine vage Vorstellung, um was für Unterlagen es sich handelte, aber sie kannte ihren Preis und hatte einen Abnehmer dafür.
Das Geld, was er ihr dafür geboten hatte, war nur ein Bruchteil von dem, was sie wirklich wert waren, aber es würde ausreichen, um die nächsten Jahre sorgenfrei leben zu können.
Daß sie untertauchen mußte, war ihr völlig klar. Sie hatte Joe erschießen müssen. Einen Mann, den sie verehrte und für den sie so etwas wie Zuneigung empfand. Auch er war ihr gegenüber nicht frei von Gefühlsregungen gewesen. Ein Umstand, der ihn erschreckte, den er aber zuließ.
Vorbei, er war tot und sie eine heiße Kartoffel, an der man sich die Finger verbrennen konnte. Daß der Joker zu ihr gekommen war, ließ sie hoffen, das Blatt noch wenden zu können. Sie spielte sein Spiel mit, hakte sich bei ihm unter und plapperte weiter auf ihn ein.

Für die beiden Polizisten war der Besuch bei Mac Donalds Besuch auch wenig erfreulich. Die Pommes waren matschig und fad, und bevor sie sich darüber beschweren konnten, lief ihnen dieser Kleindealer in die Hände, nach dem die Fahndung seit Monaten lief und die sie seit Monaten ignorierten. Er war noch ein halbes Kind, aber eben ein Dealer.
Sie schleiften ihn in ihren Dienstwagen, um ihn in einer Seitengasse wieder laufen, besser kriechen, zu lassen, denn sie schlugen ihn vorher krankenhausreif. Das war ihre Auffassung von Pädagogik und Strafvollzug.
Wenn sie ihn festnahmen, wäre er eine Stunde später wieder frei. Verurteilt werden würde er, wenn überhaupt, in drei bis vier Jahren und erst dann, wenn seine Straflatte so hoch war, daß sich ein Verfahren gegen ihn lohnte. Wer weiß, was er bis dahin noch alles anstellen würde. So bekam er eben regelmäßig Prügel.
Das machte ihn zwar nicht besser, aber die beiden hatten wenigstens das gute Gefühl, etwas getan zu haben. Als er sich an einer Hauswand blutig erbrach und in das Erbrochene zusammenrutschte, befanden sie, daß eben jeder so seine Probleme hatte und für heute der Gerechtigkeit Genüge getan war, und sie beschlossen, bis zum Dienstschluß im Revier Kaffee zu trinken.


Er war dabei, den größten Fehler seines Lebens zu begehen. Sein Übermut forderte seinen Tribut. Sie lag vor ihm. Nackt, und er hatte sie gevögelt. Hier in einem Stundenhotel, wo ihn keiner kannte. Es war nicht seine Idee. Sie hatte ihn hierher gelotst, in das Bett gezerrt und versucht, mit ihm Klartext zu reden. Er hat es geschehen lassen, weil er wissen wollte, wie weit sie gehen würde, um an die Unterlagen zu kommen. Dabei war ihm dies völlig klar.
Er wußte genau, wie es in seiner Laborratte aussah und hat ihre Verzweifelung genutzt, um sie noch zu demütigen. Sie hat ihn angebettelt und sie hat sich vor ihm erniedrigt – tiefer kann eine Frau nicht sinken.
Er war nur ein Verlierer, so erfolgreich er auch war, und letztendlich war er auch nur eine Ratte. Aber die Ratte, die gewonnen hatte. Das war der Unterschied.
Sie zu fesseln, war der größte Fehler seines Lebens. Ach, hätte er sie doch einfach erschossen. Gut, er war kein Killer. Ihr die Knie zu brechen, wäre ausreichend gewesen.
Die Handschellen fand er in der Schublade des Nachttisches – eine kleine Aufmerksamkeit des Hauses. Sie wehrte sich nicht, als er sie ihr anlegte und sie damit an das Bett fesselte. Ihren Revolver legte er in die Nachttischschublade und das Zimmer bezahlte er noch für die nächsten drei Tage. Ehe man sie finden würde, wäre er schon über alle Berge, so hoffte er. In den Staaten, unerreichbar für sie.


Rummelsnuff »Wenn du aus dem Leben schwindest« (»Sender Karlshorst«, 2010)

23.11.2011

Rattenkampf, Kapitel 12

Und weil es so furchtbar finster ist... uns spooky... deshalb kurz vor Mitternacht... der 12. Teil zur 12. Stunde. Kann ja keiner was dafür, wenn der Championsleague-Mittwoch auch Veröffentlichungstag ist. Wird´s halt später, auch wenn der Landskronmichi schon gerannt ist, als wüsste er, wie spät es wieder wird. ;o)

Uuuund los!


Bee Gees »Living Eyes« (»Living Eyes«, 1981)

Kapitel 12

Er sah sie sofort hinten in der Ecke sitzen. Von dort aus hatte sie den Überblick und saß gleichzeitig wie auf dem Präsentierteller. Nicht nur räumlich, auch durch ihre geschmackvolle Kleidung hob sich von ihrer Umgebung ab. An ihren Tisch würde sich kein Stadtteiltrinker verirren. Sie spielte in einer anderen Liga, das sah man ihr an und das wurde gewöhnlich von ihnen respektiert.
Nur er, als Mittler zwischen den Welten, konnte sich zu ihr setzen, ohne daß ein Raunen durch den Raum ging.
»Und? Heute schon jemanden über den Haufen gefahren?« Seinen Cheeseburger mit Pommes frites stellte er direkt vor ihr ab, als wollte er zu ihr sagen: Friß oder stirb. Den Laptop plazierte er so, daß vor ihm noch Platz für seine Cola war. Die Hälfte davon schüttete er in den Blumentopf am Fenster und füllte das Glas ungeniert mit dem frisch erworbenen Wodka vom Ukrainer wieder auf.
Er durfte sich nicht nur so benehmen, er mußte es. Seine Klientel erwartete dies von ihm.
Sie wußte nicht so recht, was sie von seinem Auftritt halten sollte. Sie fühlte sich etwas überfahren und ihrer Führung beraubt. Das hatte er beabsichtigt.
Nachdem er die Wohnung der M. verlassen hatte, war er in seine Pension gelaufen, um sich umzuziehen. Den Laptop nahm er als Requisite mit. Darauf war nichts, was für andere interessant gewesen wäre. Nur fertige und halbfertige Lektoratsarbeiten wissenschaftlicher Natur und ein paar belanglose Mails.
Er wollte sie verunsichern und in die Ecke drängen, so daß sie anfing, Fehler zu machen. Fehler, die Rückschlüsse über das zuließen, was er von ihr wissen wollte.
Aber sie tat ihm den Gefallen nicht. Sie zeigte sich äußerlich unbeeindruckt, plauderte brav über ihr Mißgeschick vom Vortag, ließ Komplimente an ihn einfließen und fragte ihn sogar nach Nebensächlichkeiten. Kurz, sie plapperte wie ein Wasserfall und wie mit einem alten Bekannten, und er hörte gar nicht hin.
Nein, er hörte schon auf das, was sie erzählte, aber er achtete mehr darauf, wie sie etwas sagte. Er analysierte ihren wechselnden Tonfall, die Tonfarbe, wie sie ihre Stimme hob und senkte, und verglich alles mit ihrer Körpersprache. Gerade diese sagte ihm mehr, als ihr lieb sein konnte.
Auf diese Dinge zu achten, sie bewußt wahrzunehmen, lehrte ihn sein Meister, und geübt hatte er es hier auf der Straße. Diese verzieh keine Fehler, aber sie beließ es bei einer gebrochenen Nase oder einer geklauten Brieftasche.
Was er aus ihr herauszulesen vermochte, war wenig amüsant. Er hatte Recht, die Frau hatte keine Zeit und sie war allein. Sie versuchte mit aller Macht, ihn für sich einzunehmen. Er ging darauf ein. Sie war ein ganz leckerer Käfer, hochintelligent, überaus charmant, und ihre laszive Ausstrahlung beeindruckte ihn.
Er konnte Joe Black gut verstehen. Sie verstand es, einem Mann um den Finger zu wickeln. Dabei blieb sie eiskalt und skrupellos.
Er mußte sich eingestehen, daß sie ihm gefiel. Sogar sehr gefiel. Sie würde niemandem gestatten, ihr persönlich näher zu kommen. Partnerschaften, welcher Art auch immer, ging sie völlig gefühllos ein. Sie würde besser in sein Leben passen als die M. An der konnte er sich verlieren, an der, die ihm gegenüber saß, nicht.
Wenn sie, gesetzt dem Fall, sie wären ein Paar, morgen verschwunden wäre, würde er es bedauern aber mehr auch nicht. Seine Gefühle würden apnoetauchen und nur gelegentlich die Wasseroberfläche erreichen.
Aber der Fall würde nicht eintreffen, denn die Frau war so gut wie tot. Sie hatte Joe Black erschossen, da war er sich jetzt sicher. Das konnte nur im Affekt passiert sein. Vermutlich war er ihr auf die Schliche gekommen. Daß gegen ihn etwas lief, wußte er ja, sonst hätte er ihn schließlich nicht zu seiner Frau geschickt.
War es eine Kurzschlußreaktion, saß ihr die Polizei bereits im Nacken. Nach Joes Tod war sie in den Staaten von der Bildfläche verschwunden. Was lag also näher als sie zu verdächtigen?
Ob sie ihr den Mord nachweisen konnten, war fraglich, aber auch nicht wichtig. Sie war mit seinem Tod »verbrannt«, also für ihre Auftraggeber nutzlos geworden. Mit Sicherheit saß schon jemand im Flugzeug, der dafür sorgen sollte, daß sie dauerhaft die Klappe hielt, bevor die Polizei sie erwischte. Denn wer wußte schon, was sie sonst noch auf dem Kerbholz hatte und mit welchen Pfunden sie vor Gericht und mit der Polizei zu dealen gedachte, um sich selbst zu retten.
Ihre letzte Chance war es, die Dokumente herbeizuschaffen und an ihre Auftraggeber zu übergeben. Diese, davon konnte er ausgehen, würden sie benutzen, um mit Joes Imperium Tabula Rasa zu spielen, wenn sie es nicht sowieso schon taten. Aber sie würde sie nicht bekommen. Nicht von ihm. Das war ihm jetzt endlich klar.

»Ob wir das Haus beobachten lassen sollen?« Die beiden Polizisten standen unschlüssig unten auf der Straße.
»Was haben wir in der Hand, um das rechtfertigen zu können? Nichts!« Beide zündeten sich eine Zigarette an und beim Feuergeben verbrannte sich einer von ihnen die Finger.
»Nichts haben wir in der Hand. Gar nichts. Nur dieses Bild von seiner neuen Sekretärin, die wohl auch seine Geliebte war.« Beide schauten hilflos zu M.s Wohnung.
»Aber sie ist seitdem verschwunden«, warf der eine ein.
»Na und? Sie wird ja kaum seiner Ehefrau die Aufwartung machen«, gab der andere zu bedenken. Er klopfte ihm sacht mit der flachen Hand auf die Schulter und drängte ihn zum Gehen.
»Die Frau geht uns schon nicht durch die Lappen. Die Fahndung nach ihr ist über Interpol in Gange. Auch wenn wir nicht wissen, wie sie wirklich heißt, so ein hübscher Käfer prägt sich bei jedem Polizisten, der einmal das Bild hier gesehen hat, ein. Und wenn nicht, ist das auch nicht schlimm. Genau genommen hat sie uns nur einen Gefallen getan. Ein Verbrecher weniger, an den wir nicht herangekommen wären. Komm, wir gehen Mittag essen. Heute ist Donnerstag. Da geht’s zu Mac Donalds.« Beide lachten, stiegen in ihren Dienstwagen und fuhren davon.

Die Polizisten sah er nur aus den Augenwinkeln. Sie stiegen in dem Moment aus ihrem Auto, als er mit ihr das Lokal verließ. Er konnte nicht wissen, wie nahe sie beide eben am Supergau vorbeigeschrammt waren. Nein, nur sie. Er hatte sie gerade erst kennengelernt, nachdem sie ihn gestern angefahren hatte. Damit war er aus dem Schneider.
Aber sie säße bis zur Halskrause im Schlamassel. In ihrer Manteltasche verbarg sie ihre Kanone. Das war ein Fehler, der dem Joker nie unterlaufen wäre. Der war sauber, was nicht hieß, das er keine Waffe besaß.
Er hatte sogar mehrere davon und er kam schnell an eine heran, egal, wo er sich gerade befand. Wie er das anstellte, war sein bestgehütetes Geheimnis. Aber im Grunde bestand es nur daraus, weit vorauszudenken, genug Leute zu kennen, die keinen Verdacht schöpften, wenn er überraschend auftauchte, und seine Begabung zu nutzen, Offensichtliches unsichtbar machen zu können.
Jetzt galt es, die Frau neben ihn verschwinden zu lassen. Zumindest für die nächsten zwei Tage. Dann war sie Geschichte und nicht mehr sein Problem.


The Sisters Of Mercy »Lucretia My Reflection« (»Floodland«, 1987)