07.09.2013

Keine Zwerge

Jetzt, wo es gerade etwas märchenhaft beim Kanal zugeht, hörte ich heute eine interessante Geschichte. Ein alter Herr mit weißem Bart, lang war der, also der Bart, der Mann war klein, erzählte sie ungefragt.

Einst lebten dort, wo das Eichsfeld am finstersten ist, viele Zwerge. Sie sägten Holz, zerhackten es und heizten wie die Wilden ihre kleinen Öfen. Tagsüber gingen die männlichen Zwerge in die umliegenden Wälder um Holz zu machen (Fachbegriff vom Lande), die Frauen blieben in den gut beheizten Hütten und stopften Socken und brauten Bier. Abends wurde dann in der Haupthütte (so was kennen wir in der Gegenwart als Rathaus, mit Ratskeller) inmitten wohliger Wärme gesungen, gegessen, getanzt und gebechert. In loser Reihenfolge. Sie nannten diesen Ort Zwergenworbis.

Natürlich wirkte der Alkohol den ein oder anderen Tag abscheulich schnell - Wärme, Alkohol, kleine Köpfe - mancher kennt das. Und dann gab es jedesmal unschöne Szenen (vgl. 3. Halbzeit, Dresdener Auswärtsspiele), die Zwerge schlugen sich gegenseitig, verwendeten sogar kleine Schimpfworte und neigten zu Ungerechtigkeiten gegenüber ihren Frauen. Eines schönen Abends, zu vorgerückter Stunde, warf einer der Zwerge seine kleine Axt nach seiner kleinen Frau, aber weil alles so verflucht klein war, verfehlte er sie und spaltete unabsichtlich ein Atom.

Daraufhin kam es zu einer wütenden Explosion, danach: Silencium. Ewig. Bis sich der Staub wieder legte... nichts mehr übrig.

Daran erinnert ein später aufgestelltes Schild: »Tempo 30, Straßenschäden« noch heute. Sagt der alte Mann. Konnte es leider nicht selbst überprüfen, war den ganzen Tag im Wald, Holz machen.

Therion »Schwarzalbenheim« (»Secret Of The Runes«, 2001)

Kommentare:

  1. Tja die kleinen Zwerge aus dem Eichsfeld. Dort wo die Bocki noch echt von der Tanke kommt. Die Zwerge werden sich sicher gegen die vielen Trucker wehren die nun dank moderner Asphaltkunst und gigantischen Tunnelprojekten ins Eichsfeld kommen. So hoffen wir das aus Zwergenworbis nicht Truckerworbis wird. Ach du schönes Eichsfeld, im Winter schneeweiß und den Rest des Jahres grau. Dort wo alle Navis im Nichts fahren und das Ende der Welt so nah scheint.
    -Minimi

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Vielen Dank für´s Gespräch! ;o)