29.10.2011

Rattenkampf, Kapitel 1

Vorwort...

Nun isser also fertig, der Krümel, mit dem wir was zur Torte der literarischen Weltgeschichte beisteuern wollen. »Rattenkampf« heißt das Baby letztendlich. Wie schon mal erwähnt, bestand die Idee darin, mit meinem digitalen Freund til_o. abwechselnd, hinter- und durcheinander eine Geschichte zu schreiben. Richtung und Ziel unbekannt. Es hat sich dann entwickelt und ist nun eben fertig. Ich bedanke mich bei ihm für seine spontane Zusage mitzumachen und für seinen schreiberischen Enthusiasmus, welcher sich immer mehr steigerte; als bildlicher Vergleich fällt mir dazu spontan der Elan eines Dschamolidin Abduschaparow auf der Zielgeraden ein. Danke auch an die holde Weiblichkeit fürs Lektoriat und schließlich an diejenigen, die sich vielleicht ein wenig Zeit nehmen, der Story zu folgen. Sie wird nun kapitelweise in kleineren Abständen hier und im Nachbarblog veröffentlicht.


The Hollies »Stop, Stop, Stop« (»For Certain Because«, 1966)

So denn, let´s go, Geronimo! ;o)

Kapitel 1

»Fuck!« hörte er sich fluchen, während sich die Lichtschranke überlegte, seinen Kopf doch als Hindernis anzuerkennen und die Fahrstuhltür sich langsam wieder öffnete. Langsam, nicht im Sinne von wirklich langsam, vielmehr eine gefühlte Ewigkeit, nachdem er seinen Kopf nur so, um es auszuprobieren, zwischen die sich schließenden Türen des Lifts gesteckt hatte.
Seltsame Dämlichkeit, ermahnte er sich sofort. Allein die zuvor witzig empfundene Idee fand er jetzt abgrundtief albern und war befreiend froh niemanden, der diesen Fauxpas beobachtet haben könnte, auf dem Flur, durch die Glasscheiben der fiesen, mit Tötungsabsichten beladenen Tür des Fahrstuhles, entdecken zu können.

Fast zeitgleich erwachte sie an einem anderen Ort. Wo eigentlich? Erste verschwommene Fragmente der Umgebung verschafften ihr Sicherheit. Zum Glück, zuhause, eigenes Bett, allein. Was davor war, erschien nur schemenhaft. Es fühlte sich an wie ein vertrauter Rausch, der Pakt mit Teufel Alkohol, doch es mußte etwas anderes sein, nur beim besten Willen momentan nicht greifbar.

Immer wenn ihm etwas gelungen war, packte ihn dieser kindliche Übermut, der oft glimpflich endete, ihn aber auch gewisse, völlig unnötige Unannehmlichkeiten bescherte, die seinen Erfolg zunichte zu machen drohten. Das war ihm bewußt, aber auch die Tatsache, daß sich daran nicht viel ändern würde, so sehr er sich auch darum bemühte.
Er betrachtete sich im Spiegel des Lifts, während dieser sich schloß und nach unten fuhr. Seine Krawatte saß gerade, sein Anzug perfekt – niemand würde ihn die lange Nacht ansehen und schon gar nicht vermuten, daß er nicht in diese noble Gegend paßte. Die Loge der Concierge war noch zugezogen, womit er gerechnet hatte. In ihrem Haustratsch würde er keine Rolle spielen und einem Hausbewohner ist er nicht begegnet. Das war um diese Zeit auch sehr unwahrscheinlich und kam ihm entgegen. Und wenn doch, so konnte dieser ihn nur vage als einen gut gekleideten Herrn mittleren Alters beschreiben. Trotzdem erlag er fast der Versuchung ein für die Concierge unerklärliches Zeichen seines Besuches zu hinterlassen.
Da war er wieder, sein Übermut, der ihn irgendwann mal den Kopf kosten könnte.
Die Haustür ließ sich, wie in solchen Häusern üblich, auch zu später Stunde von innen öffnen und die Nacht empfing ihn angenehm kühl. Die Nobelkarossen vor dem Haus weckten in ihm keine Begehrlichkeiten. Sie waren für seine Zwecke zu auffällig und wenn er solch einen Wagen brauchte, mietete er sich einen diskret mit Chauffeur.
Die Straße ist dunkel und führt am Park vorbei zur nächsten Metrostation. Dort wird er sich ein Taxi nehmen und sich in der Nähe seiner Pension absetzen lassen. Nicht unmittelbar davor. Dafür war er zu vorsichtig geworden.

Der Abend war lang, der Abend war schön und zum hundertsten Mal mußte sie sich eingestehen, daß aus ihrem Vorsatz, nicht zu viel zu trinken, wieder nichts geworden war. Sie trank zu viel, viel zu viel und nicht nur, wenn sie abends unterwegs war.
Der Beaujolais zum Mittagessen, der Pernod danach waren in den letzten Jahren mehr als eine Gewohnheit geworden.
Wo waren sie hin, die letzten Jahre? Sie waren einfach so vergangen. Ein Tag glich dem anderen. Es gab keine Höhepunkte mehr, keine rauschenden Feste bei denen sie im Mittelpunkt steht, die Partys waren immer dieselben mit immer denselben Austauschgesichtern, todlangweilig wie ihr eigener Mann, der in Übersee weilt, die Geschäfte ihrer Firma führt und sich ansonsten nur zu Weihnachten, Silvester und zu ihrem Geburtstag bei ihr sehen läßt.
Den Sprung von einem jugendlichen, unbekümmerten Partygirl, was sich im Jet Set zu Hause wähnt, zu dem einer First-Class Dame hat sie nicht geschafft und auch nicht gewollt.
Geblieben sind langweilige Abende, die sie als schön empfindet, weil sie schön sein müssen und der fade Geschmack nach Nichts danach.
So, wie der gestrige Abend verlaufen wäre, wenn nicht – ja, wenn sie nicht diese Bekanntschaft gemacht hätte. Daß sie diese Begegnung so vorsichtig einschätzt, verwundert sie selbst etwas. Normalerweise weiß sie genau, mit wem sie sich, auf was einläßt und hat dabei die Zügel fest in der Hand.
Der Mann gestern wirkte ganz anders auf sie. Sie war verwirrt von seiner geheimnisvollen Undurchsichtigkeit, die ihr aber seltsam vertraut vorkam. Seine zwar sehr geistreiche, amüsante aber rotzfreche Art und Weise, wie er sie in ihre Schranken verwies, reizte sie einerseits bis auf das Blut, andererseits wurde sie das Gefühl nicht los, ihm blindlings vertrauen zu können. Das war keiner dieser Schmeichler und Geschichtenerzähler. Das war ein Mann, der wußte, was er wollte und wie er es erreichen konnte.
Sie ertappte sich dabei, sich ein Bild von ihm zu schaffen, was aus reinem Wunschdenken besteht und mit der Realität vielleicht nicht standhalten kann. Wie ein Traum der so wenig greifbar, wie ein Rausch ist.
Um sich über sich selbst und ihre momentane Verfassung klarer zu werden, beschloß sie, den Tag mit einem doppelten Pernod zu beginnen.


Wongraven »Tiden Er En Stenlagt Grav« (»Fjelltronen«, 1995)

to be continued...

Kommentare:

  1. frei nach Raketentheo: copy & paste ;o)

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  2. hatte bei lesen das gefühl, das präsens und präteritum noch nicht ganz einig darüber sind, wer die führung übernehmen darf.das sollten sie schleunigst klären, mein ich, sonst wird`s kein tango eher pogo.....;-)

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  3. Tja, wir wandeln nicht nur zwischen den Welten, sondern auch durch die Fälle nah und fern und verirren uns ab und zu dabei. Mein Literaturbüro hat nur die grassesten Unfälle bemängelt und getilgt. Es meint, das es durchaus möglich ist in zwei Zeitdimensionen gleichzeitig unterwegs zu sein, was ich für meine Person nur bestätigen kann. Ich bin im zweifelsfall auch der Sünder, der beim zusammenfassen von drei Dokumenten einiges versemmelt hat. Zumindest gehe ich mal davon aus.

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  4. Präsens ist ein Arsch, Präteritum ein Angeber! ;o)

    Nun ja, so ist das, wenn zwei durcheinander schreiben, dann ist der Genitiv der lachende Dritte... oder so. Solche Spitzfindigkeiten sprechen aber für das hohe Niveau der Leserschaft!

    Und wie das so ist, wenn behinderte Kinder was basteln, sagt die Mutti zum Schluss ja auch, na ja, der gute Wille ist zu sehen, immerhin... und dann sind wir alle zufrieden! ;o)

    Und nun: ESSEN! (Kunst macht hungrig, hehe)

    -octa

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  5. hoffentlich keine fertigpizza, die macht impotent(!) wieso werd ich das gefühl nicht los, dass man(n) mich hier nicht ernst nimmt?
    ;-)naja, was solls, die story klingt vielversprechend, aber jungs von mir gibt es keinen mittleidsbonus. wäre ja noch schöner, wo finge ich da an....kein ende nirgens! noch was technisches, ich hab wirklich arge probleme diese seite hier zu laden, dauert stunden, woran kann das liegen? zu viel verbaler ausfluß auf einer seite oder was?

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  6. Octas Seiten sind eben wählerisch. Die bekommt man nicht so einfach in jeden Rechner. Finde dich einfach damit ab.

    Und richtig: Kein Mitleid! *g*

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  7. Natürlich nehmen wir dich ernst! Die bittere Wahrheit ist: wir können es nicht besser. Weil das widerum scheisspeinlich ist, berufen wir uns natürlich auf die künstlerische Freiheit. Puh, das war knapp... ;o)

    Macht Fertigpizza impotent? War mir neu. Gibt es noch mehr Lebensmittel, um die man als männliches Mitglied der Gesellschaft einen Bogen machen sollte? Aber, da bin ich auf der sicheren Seite, ich habe seit Jahren keine gegessen.

    Warum hier etwas länger laden sollte, also wo anders, ist mir ehrlich schleierhaft, es ist nur vorhanden, was du auch siehst. Dass hat aber wahrscheinlich Tiefe und Gewicht. Vielleicht liegt es daran?!

    Und nun: Attacke Osterzgebirge! (Kann unmöglich Schaden anrichten!)

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  8. Tja, Octa. Meine Schwester hat auch null Chance deine Seiten zu laden. X-mal versucht, x-mal aufgegeben. Woran es liegt, weiß ich nicht. Ob ihr Rechner einfach nur ein Scheiß-Karma hat, die DSL-Leitung zugemüllt wurde oder der Internet Explorer doch nicht die erste Wahl ist, wird sich früher oder später rausstellen. Oder auch nicht.

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  9. Aller Anfang ist schwer, Herr Kollege. Aber es liest sich flüssig und auch so mitten aus dem prallen Alltagsleben heraus geschildert. Da ich beim Til_o. - man wird älter, mein Lieber - den Text ein wenig besser sehen konnte, habe ich mich dort als Fan nun endlich angemeldet.
    Weiter so - ihr macht Lust auf mehr!

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  10. Joh, auf ewig währende Nachbarschaft; wenngleich ich vom Hügel in den Kessel schauen darf!

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  11. Dafür habe ich es bis zum EDEKA näher. ;-)

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  12. Keine Ahnung, woran das mit der Ladeträgheit liegt, wird sich schon wieder legen.

    Außerdem, keine Tränen, Mädels, es geht mir auch an die Nieren: Herzlichen Glückwunsch zur Verlobung!!! hahaha!!! ;o)

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Vielen Dank für´s Gespräch! ;o)