Ha, mir fielen noch ein halbes Dutzend anderer Überschriften ein, allerdings wäre es billig irgendeine Wortgruppe aus dem Hut zu zaubern, in der jedes R gegen ein L ersetzt wäre, oder sich anderweitig irgendwelcher asiatischen Klischees (à la Frontscheibe süßsauer bitte oder einmal die Nummer 46 mit Pressefreiheit) zu bedienen. Wie auch immer. Offenbar bekam ein Kamerateam der ARD den Baseballschläger der chinesischen Kulturwächter zu schmecken (SZ-Artikel dazu).
Ein paar tausend Kilometer vom Ort des Geschehens entfernt und daher immer einen Besuch wert, auch mit Kamera: die Baude auf dem Kahleberg im Osterzgebirge. ;o)
Gedreht werden sollte ein Beitrag über die bauliche Urbanisierung ländlicher Gegenden in China. Drehgenehmigung wurde keine beantragt, was zwar ofiziell als rechtens gilt, jedoch etwas mutig scheint. Kein Mensch würde z. B. einem grimmig dreinblickenden Hund die Hand ans Hinterteil legen, nur weil ein Schild mit der Aufschrift Nicht auf den Rasen kacken! am Zaun hängt. Das investigative Team des ersten deutschen Fernsehens drehte also munter drauf los und filmte in einem Dorf dessen Gebäude und Bewohner. Diese reagierten angewidert und während der Abreise wurde der Transporter der Journalisten gerammt, zum Stehen gebracht und anschließend mit Knüppeln, Fäusten oder Baseballschlägern (je nachdem, wo man es liest, variieren die Angaben) traktiert. Hat der NDR einen Sachschaden zu beklagen, Personen kamen keine zu Schaden.
Ist natürlich nicht das, was einem hierzulande als typisch asiatische Abgeklärtheit und innerem Ruhepol verkauft wird, aber aus Sicht der Einheimischen (wenngleich die Angreifer auch nur polizei- oder systemgetreue Schläger gewesen sein könnten) kann man diese Art der Reaktion doch ein wenig nachvollziehen. Wahrscheinlich haben sie sich noch schnell angesehen, was das öffentlich rechtliche Fernsehen so fabriziert und kamen zu der blitzgescheiten Entscheidung, wenigstens ein kleines Zeichen gegen die zwangsgebührenfinanzierte und vom Ertrag an exotische Orte reisende Meute setzen zu können.
Komm ich ausnahmsweise mal zu dem Schluß: Schon GEZahlt? Na klar, dafür gerne! ;o)
Na toll! Sobald feststand, dass sich das Privatfernsehen (in Form des Senders ProSieben) von einer weiteren Zusammenarbeit mit der ARD in Sachen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest zurückzieht (berichtet z. B. SpiegelOnline), beschlossen die Verantwortlichen des öffentlich rechtlichen Fernsehens, das Format der letzten Jahre (immerhin Plätze 1, 10 und 8) wieder über Bord zu werfen.
kreatives & innovatives Brainstorming bei der ARD
Zugunsten eines neuen Formats, versteht sich. Dabei treten etablierte Acts gegen ein paar Neulinge an und das Ganze dauert genau eine Show. Woah! Wie innovativ. Das hatten wir Jahre lang (immerhin Plätze 19, 23 und 25, erinnert sich noch jemand an die Fremdschämnummer des Jahrzehnts von Alex »Das Boot« Christensen? Aua!), aber eine Institution, wo der Kalk aus allen Poren zu rieseln scheint, nennt dies eine Neuerung. Längerfristig will man sich aber am schwedischen Vorbild, dem Melodifestivalen, orientieren. Irgendwie fühlt man sich bei solchem Gesülze, wie bei einem Dialog zwischen Zivildienstleistendem und verwirrter älterer Dame, oder bei den Ausführungen des Hutmachers aus dem Wunderland von Alice...
Als Grand Prix-Freund ist man Spott gewohnt, aber diese Form des seelischen Schmerzes, wie ihn nur das öffentlich rechtliche Fernsehen zu verabreichen imstande ist, hatte ich gehofft, nicht mehr erleben zu müssen. Schönen Dank auch...
Sollten unsere niederländischen Freunde (obwohl, glaub ich nicht, denn denen ist auch nichts zu schade, um sich restlos zu blamieren) Vanderbuyst ins Rennen schicken, sieht´s ohnehin schlecht aus... ;o)
Vorletztes Kapitel. Zeit, mal ordentlich auf die Trändrüse zu drücken. Oder an einer Fortsetzung zu schrauben. Oder die Fernsehrechte an RTL zu verscherbeln (wenn ich´s richtig verstanden habe, wird seitens der Grünen gerade ein bundesweites ARD-Verbot angeschoben?!)...
Moment mal, Hannes Jaenicke ist gerade im ICQ!.
Oder einfach noch schnell das meistgehörte Lied des letzten Tages abzuspielen...
Zurück ging es genauso. Sie dirigierte und er gehorchte. Aber er hatte eine kleine Änderung eingeführt. Sie hatte Angst vor ihm. Angst, in seine Nähe zu kommen. Das nutzte er geschickt aus. Er schob sie sich zurecht. Wie mit einem Gummiseil verbunden, zogen sie aneinander. Sie mehr, er weniger. Seine vermutlich letzte Chance war das Parkett und ein uralter Trick, den anzuwenden er er sich fast schämte. An beiden Längsseiten des Esstisches lagen Läufer, die quer durch den ganzen Raum reichten und auf denen jeweils zwei Stühle aufgereiht waren. Er stand neben dem linken Läufer, zwischen dem Tresor und den Stühlen. Wenn er jetzt einen Schritt zurücktrat, mußte sie einen nach vorn tun. Vorausgesetzt, sie durchschaute ihn nicht. Sie tat ihm diesen Gefallen. Erster Fehler. Er schaute zur Seite in Richtung des Tisches, um sie abzulenken. Sie folgte seinem Blick. Zweiter Fehler. Er ließ sich in die Hocke fallen, schnellte anschließend nach oben und riß dabei den Läufer mit hoch. Die Stühle krachten aneinander und ihr zog es die Beine weg. Sie ruderte mit beiden Armen, mit beiden Waffen in der Luft herum, um ihr Gleichgewicht wieder zu erlangen, anstatt sich fallen zu lassen und auf ihn zu schießen. Kein Fehler. Wenn er tot war, blieb der Tresor zu.
Er lag auf ihr und sie gab sofort auf. Sie hätte keine Chance gehabt. Die Revolver lagen irgendwo im Zimmer. Er blieb auf ihr liegen und er hielt sie fest. Aber nicht so, wie man ein Opfer in Schach hält. Nach langem Zögern legte sie eine Hand um ihn. Er bemerkte es und lockerte seinen Griff. Eine halbe Ewigkeit später stand er auf und half ihr auf die Beine. Es hatte keinen Sinn mehr. M. war tot und es war seine Schuld. Sie mußte das Risiko verringern und einen von beiden ausschalten, als sie hier eindrang. M. war für sie nutzlos, also mußte sie sterben. Er hatte nicht vor, sie zu rächen. Sie hier ebenfalls umzubringen wäre sinnlos. Im Gegenteil, er brauchte sie jetzt, da die M. nicht mehr zur Verfügung stand, um den Inhalt des Tresors schnell zu Geld zu machen. Sie brauchte ihn, um unterzutauchen. Sie war fremd hier und er kannte jedes Rattenloch in dieser Stadt. Pack schlägt sich, Pack verträgt sich. Ratten waren intelligente Tiere und ihr Überlebenswillen versetzte Berge. Wenn es die Menschen schon lange nicht mehr gab, würden die Ratten an ihre Stelle treten. Sie taten es auch jetzt schon.
666 666. Sechs mal die Sechs konnte man sich einfach merken. Der Safe war leer. Nein, nicht ganz. Ein Brief lag darin. »An meinen lieben Little Big Joe Black« las er tonlos vor. Sie ließ sich auf einen Stuhl fallen und stierte ins Leere. Er hätte sie heute Nachmittag erschießen sollen. Wie eine Ratte. Jetzt war es dafür zu spät. Es machte keinen Sinn mehr. Den Brief steckte er ein. Er würde ihn später lesen. Er hätte sie erschießen sollen. Aber es war aus seiner Sicht nicht notwendig gewesen. Er war kein Killer. Die paar Ratten, die er hatte abknallen müssen, zählten nicht. Die Wohnung war clean. Hier gab es nichts mehr zu holen, nur in der Anrichte lag etwas Geld. Den großen Schein ließ er liegen, den Rest gab er ihr. Es würde für ein Ticket rund um den Globus reichen. Mit dem Rest konnte sie ein paar Monate auskommen.
Sie nahm das Geld wortlos, ohne hinzuschauen und steckte es ein. Das hieß, daß sie nun verschwinden und untertauchen sollte. Ihre Partnerschaft hat also ganze 5 Minuten gehalten. Es war besser so. Für ihn. Sie war die heiße Kartoffel, die jeder fallen ließ. Gut, solange der Joker noch rein nach seiner Vernunft handelte, sollte sie sein Angebot annehmen und gehen. Laufen, so weit weg wie möglich. Egal, wo die Unterlagen nun waren. Ihre Zeit, sie zu besorgen, war abgelaufen. Der tote Joe war ein Kolateralschaden, den ihre Auftraggeber billigend in Kauf genommen hätten, wenn sie in der Lage gewesen wäre, die Dokumente zu liefern. Die tote M. war, ohne die Unterlagen zu besitzen, eine Tote zu viel. Jetzt mußten sie annehmen, gelinkt worden zu sein. Glauben würde ihr keiner. Ihr Blick ruhte auf dem Rücken des Jokers. So lange er lebte, würde er vielleicht das Feuer auf sich ziehen. Wenn sie nicht zu finden war, würden sie sich an ihn halten. Vielleicht hat er Glück und überlebt. Vorausgesetzt, die Dokumente tauchen nirgendwo auf. Dann würde vielleicht Gras über die Sache wachsen. Es war auch gut möglich, daß sie auf seine Dienste zurückgreifen mußte. Zeit heilt alle Wunden, und Ratten erholten sich schnell. Sie zog die Tür hinter sich zu und ließ ihn mit der M. allein.
In ihrer Stirn war nur ein kleines Loch. Ihr Kinn ragte unnatürlich nach oben und ihr Gesicht fiel steil nach hinten ab. So lag man auf den Rücken, wenn man keinen Hinterkopf mehr besaß. 7,62 x 38 mm Nagant, made in Belgium. Sie war trotzdem noch schön. Das, was er da sah, war nicht die tote M., sondern ihr Gesicht von gestern Abend, als sie schlief. Das Einzige, was er noch für sie tun konnte, war sie mit der Decke zu verhüllen, unter der sie gemeinsam die Nacht verbracht hatten. Dann wandte er sich von ihr ab. Seine Pistole legte er in den Safe und einer Eingebung folgend, warf er etwas hinterher, bevor er ihn verschloß. Den Schlüssel steckte er ein. Das war kein Risiko. Dann beseitigte er die Spuren des Kampfes. Er rückte den Läufer wieder gerade und stellte die Stühle wieder auf. Ihren Zweitschlüssel für die Wohnung legte er neben ihre Leiche. Dann nahm er das Telefon und wählte den Notruf der Polizei.