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20.03.2017

Schulz, ich sauf jetzt mit euch!

Irgendwann hatte ich mir mal vorgenommen an dieser Stelle politischen Erscheinungen etwas weniger Platz zu gönnen. Aber dieser Tage kam der Gegenentwurf mit wehendem Haar (weil Fahne hat er schon eingerollt) quer durch die Medienprärie direkt auch auf mich zugeritten. Licht aus, Spot auch: Martin Schulz!

Diese Szene mit Terence Hill und Bud Spencer hat aus heutiger Perspektive eine ganz andere, fast schon prophetische Tiefe! ;o)

Was liest und hört man nicht alles: der Hundert-Prozent-Mann, Geheimwaffe aus Würselen, Heilsbringer, Gottkanzler (kein Scherz!) und so weiter und so fort, der Superlativ feiert fröhliche Urständ. Auf dem jüngsten SPD-Parteitag verzückte er alte Gewerkschafter in karierten Kurzarmhemden ebenso wie junge Genossinen, man dankt es dem vom Himmel Gesandten mit einer Wahl zum Kanzlerkandidaten ohne eine einzige Gegenstimme. Nachkriegsrekord, auch so ein statistischer Rauschzustand. Unveröffentlichten Spionageergebnissen des sorbischen Geheimdienstes zufolge plant Schöngeist Kim Jong Un eine Deutschlandvisite um sich ein Scheibchen vom 100%-Martin in Sachen Personenkult abzuschneiden.

Da kann man sagen, was man will, das ist bis hier her bestes Entertainment! Wir drücken dir die Daumen fürs Promiboxen gegen die amtierende Weltmeisterin im Mittelgewicht Angela Merkel, beobachten dich natürlich aufmerksam und rufen: Go, Martin, go! ;o)

[Zum Schluß noch ein Livemittschnitt von der ausgelassenen Stimmung nach der Krönung des M. S. zum Kanzlerkanditen. Schulz 2. von links.] The Easybeats »Sorry« (»Volume 3«, 1966)

28.08.2013

Peer, Angela, Ralf, Rocko

Sonntag ist Rededuell im Fernsehen. Steinbrücks letzte Chance, sagt SpiegelOnline. Mal abgesehen davon, dass Monsieur Haquefressé, wie wir Franzosen sagen, nie eine hatte, keine erste, keine letzte, guckt die Nation wahrscheinlich auf irgendeinem Pay-TV-Kanal die sensationelle Auferstehung der ruhmreichen SGD, oder befindet sich daraus resultierend schon im völlig verdienten Delirium. Man leidet ja mit. Vielleicht nicht mit dem randlosen Brillenmann der SPD, nein, SPD-Mann mit der randlosen Brille, aber irgendwann, wenn das Wahlergebnis, welches jetzt schon feststeht, verlesen wird, werden alle erkennen, schwarzgelb, oder gelbschwarz, man weiß es nicht, sind wieder die Farben der Saison. Und spätestens dann weiß man, besser, man war im Stadion, hat sich hinterher das Vakuum mit Alkohol befüllt und war am Wahltag lieber zu Ralf Minges Autogrammstunde. Geht doch klar, Ralf? ;o)

Dafür, dass sich Dottore Saccegesizchte, wie wir Italiener ihn freundschaftlich nennen, und die Bundesoma (keine Angst, laut durchschnittlicher Lebenserwartung in Deutschland keine drei Jahrzehnte mehr in Amt und Würden - ein Fliegenschiss auf der gewaltigen Zeitachse der Republik, der Menschheit, dieses Planeten) im öffentlichrechtlichen Fernsehen gegenseitig die ohnehin schon bemitleidenswerten Visagen polieren werden, hat man doch gerne seine GEZ-Rechnung bezahlt! Brrrr! Das wäre dann wirklich der erste, seit Tagen im Angesicht der dichter werdenden Plakatierung deutscher Alleen und Gassen, ehrliche Würgereflex zum Thema Bundestagswahl 2013. ;o)

Rocko Schamoni »CDU« (»Disco«, 1991)

12.03.2013

Wiesbaden, politisch bewegt

Dieser Tage schleuste sich eine Kleinstdelegation des Channel666 (angeklebte Bärte, Mützen, Sonnenbrillen, außer dem Verkäufer muslimischer Literatur hat uns tatsächlich niemand gegrüßt) in die hessische Landeshauptstadt Wiesbaden ein. Eine politisch bewegte Stadt, welche letzten Sonntag per Stichwahl einen neuen Oberbürgermeister wählte. Warum der knappe Wechsel zugunsten des SPD-Kandidaten nötig war, lässt sich auf Anhieb nicht erkennen. Schließlich stehen am Wegesrand halbvolle Raviolidosen, wärend andere Teile der Republik mit dem Hunger ringen.



Paradisische Zustände, könnte man meinen. Aber die Wiesbadener Bevölkerung scheint sich nicht so einfach abfüttern zu lassen und bleibt wach und bissig, wie folgende kritische Bemerkung an einer Laterne im Kurpark beweisen dürfte.



Für die Wahl karrte man an, was zur bescheidenen Verfügung stand und so verteilte u. a. Kristina Schröder Luftballons und gute Ratschläge (was man auf dem Foto nicht erkennt: das Kind hat, während seine Eltern gebannt der Frau Ministerin lauschten, jämmerlich der Mutti über die Schulter gebrochen, na ja, passiert eben...).



Der spätere Wahlsieger lies sich nicht lumpen und verteilte ebenfalls wie blöde Luftballons. Man hatte überhaupt den Eindruck das Wahlergebnis ließe sich aus der Anzahl der verteilten Luftballons ableiten. Aber wie das so ist, in der Politik, mit den Luftblasen. Woher allerdings der violette Ballon kommt, weiß ich nicht. Beachtlich ist, dass der Besitzer des Fahrrads im Bild den Genossen offenbar dermaßen misstrauisch gesonnen ist, dass er sein Bike direkt neben dem Stand der Sozialdemokraten mit einem Schloss gesichert hat.



Die eigentliche Sensation bahnte sich aber im beschaulichen Kurpark an, wo sich, ziemlich knapp vor der Papstwahl ein potentieller Kandidat für das heißbegehrte Amt mit seinem Rollator auf den Weg zum Bahnhof machte. Möge der große Manitu ihm gnädig sein und ein schnelles Weiterkommen nach Rom beschert haben, toi toi toi!



Alles in allem eine interessante, auch sehr schöne Stadt und wenn die Flut der presönlichen Eindrücke verarbeitet ist, gibt es an dieser Stelle vielleicht noch ein paar Bilder der Sehenswürdigkeiten! ;o)

Hat alles nichts mit Kiss zu tun... trotzdem! ;o)

Kiss »The Oath« (»Music From The Elder«, 1981)

13.10.2012

Trio diabolus... Wahlkampf, Genossen!

Ist das putzig! Unser derzeitiges Vorzeigegenossentriumvirat (aktuelle Pflichtvokabel: Troika), bestehend aus Steinmeier, -brück & Gabriel (Achtung, nicht mit den Digedags verwechseln!) zieht hinaus in die weite Welt, nun ja, zumindest ins wilde Deutschland, um die Viel- und zuvielverdiener in den Reihen des politischen Gegners, welcher sich darauf in schwarzgelber Tarnkleidung weniger gut sichtbar zu machen versucht, auszumachen und namhaft werden zu lassen (weiterlesen z. B. hier). Drei, die den Revolver schneller ziehen, als die Union Kanzleramt! sagen kann. Yeehaw!

Das wird sicher ein aufregendes Abenteuer! Good luck, cowboys! ;o)

Necrophobic »Revelation 666« (»Death To All«, 2009)

...und sie ritten in den Sonnenuntergang...

01.09.2011

Flieg nicht so hoch, mein kleiner Freund!

Momentan geistert der Wiesenhof-Skandal durch die Medien. Sogar die olle ARD fühlte sich dieser Tage berufen eine Reportage dazu in die deutschen Wohnzimmer zu beamen. Den Anfang nahm die Sache bei der PETA (Link zum Thema: klickklack!), die erneut Strafanzeige gegen den Geflügelkonzern stellte und brisante Videobeweise vorlegen konnte.



Nun mag das manchen in der abendlichen Gemütlichkeit schwer an die Nieren gegangen sein (Elsbeth, mach morgen lieber wieder Hackepeterschnittchen, die Puten sind vergiftet...), allerdings ist der Bürger aber auch vergesslich und obendrein gern unvernünftig, daran ändert der, sicher gut gemeinte und wahrscheinlich auch notwendige Tritt in die fauligen Eier der Lebensmittelindustrie nichts. Wird ja keiner über Nacht zum Vegetarier oder zum bessere-Welt-Warrior.

Verstehnse mich nicht falsch (passiert manchmal), ich möchte dieses Thema keineswegs herabstufen oder ins lächerliche ziehen, jedoch erscheint mir diese wellenförmig auftretende Empörung über solche Zustände eher als seltsamer Indikator einer medial halbverblödeten Gesellschaft. Wenn man einen tiefgefrorenen Vogel (der hat gelebt, gefressen, Medikamente schlucken müssen [die auch Geld kosten], wurde geschlachtet, ausgeweidet, gerupft, in Folie eingepackt, mit dem LKW von a nach b gefahren und beim Discounter weiter gepermafrostet für nicht ganz drei Euro bekomme, oder wahlweise einen halben vorm Discounter des Vertrauens, schon gegart mit knuspriger Haut, zum selben Preis, dann muss der gesunde Menschenverstand doch ausspucken, dass so was nur bei Massentierhaltung mit großindustrieller und kapitalistischer Struktur funktionieren kann.

Es wäre doch ein leichtes oder zumindest nur mittelschweres Unterfangen, seitens unserer politischen Führung Regelungen auf den Weg zu bringen, die von Anfang an sicherstellen, dass zur Nahrung des Menschen verwendete Tiere ein, ähem, menschenwürdiges Leben (und auch ordentlichen Tod) erfahren. Macht natürlich keiner, denn der Verbraucher, der ja auch irgendwo Wähler ist, könnte übellaunig reagieren (Nee, Günni, seitdem die Merkel Kanzlerin ist, ham die die leckere Putenarschpastete schon wieder um nen Euro angehoben, dat nächste mal wähln wir SPD!). Also bleibt es bei einem von den Medien getragenen Skandal und der Hoffnung auf die Mündigkeit und Schläue des einfachen Volkes. Da haben schon ganz andere drauf gehofft...

Deswegen zieht sich der eine oder andere trotzdem in Abständen nen Broiler rein und wenn man hier in der Stadt nicht gerade die Weide oder Geflügelfarm des Vertrauens vor der Türe hat, greift man dieser Form der Tierhaltung indirekt öfter unter die schmierigen Arme, als man selbst wahrhaben will.

Das ist ja das tolle heutzutage: Der Großteil macht irgendwas mit, was er gemeinhin als völlig empörend empfindet. Da beißt sich gedopte Katze in den eigenen Schwanz, den ohne Empörung kein Skandal... Aber das Volk hat eben hin und wieder Hunger auf Skandale, will nicht immer nur Putenfilet lutschen.

So haben alle was davon, nur die Tiere nicht.


The Skatoons »Kotzen« (»Einmal Ska und zurück«, 2003)

16.09.2009

Wo sind denn hier die Toiletten?

Momentan schwebt man wieder durch die Gespensterbahn, die Boulevards sind mit Verbrechervisagen tapeziert, dass es kaum noch schön ist. Das nennt man Superwahljahr. Kaum ist Opa Karl von dannen, lugt ein nachcolorierter (oder auch rosa wie Rudi Rüssel) Gregor vom Baum, Oskar von der Laterne, olle Merkeln vom Großplakat, FWS aus dem Briefkasten. Erbarmen! Warum muss hier jeder sein Antlitz in die Sonne halten. Ich meine, wir hier beim Channel666 könnten uns das eine(r) wie der/die andere leisten, tun es aber nicht. Dafür aber steinalte Genossen, soweit das trübe Auge blinzelt. Daher hier mal was alternatives, zugegebenermaßen nicht auf meinem Mist gewachsen, sondern in einem anderen Blog mit offenbar ähnlichen Eindrücken entdeckt...


Auch der fastabgestürzte Münte wird zitiert...


Nun ja, obwohl kaum schlechter, werden wir solche Plakate wohl eher wenig an den Straßen sehen. Aber dafür gibt es ja das Netz. In der virtuellen Welt ist das Wetter sowieso besser, oder, wie ein kluger Mann einmal bemerkte: Das Leben ist schon scheisse, es hat aber eine verflucht gute Grafik...

Da fällt mir abschließend nur noch ein Spruch ein, den ich auf der heutigen Heimfahrt auf einem Grünen-Plakat entdeckte: BIO, BABY!

ARSCHLECKEN, ALTER!