Na nu, na na, und so... wer hätte das gedacht: In der Bundeswehr gibt es rechte Umtriebe?! Potzblitz! Wie sagt man das korrekt: in unserer Truppe, bei unseren Jungs (Frauenquote seit Gorch Fock im Eimer)...? Keine Ahnung. Hätte niemand gedacht. Mal ehrlich: ist es nicht seit Generationen überliefert, dass wer freiwillig zum Bund geht (wir Soldaten sagen das) irgendwie nen krummen Pullermann oder sonst was für´n Problem hat?
Und nun wird der Frau obersten Raketenlenkerin Ursula »In meiner Frisur spielt die Beate-Zschäpe-Combo ein mehrtägiges Open-Air-Konzert« von der Leyen von politischen Gegnern Weggucke und verfehlter Mutterschutz vorgeworfen. Dazu unser herzlichstes Beileid. Kabul, 88 Grad Hitler, Frisur sitzt.
Ich brauch erst mal was seichtes... ;o)
The Bangles »Going Down To Liverpool« (»All Over the Place«, 1984)
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02.05.2017
17.01.2013
Medizin nach Noten ;o)
Na das ist ja mal wirklich appetitlich und spektakulär obendrein! Halbgöttern in weiß gelang es jetzt eine mögliche Heilung für Darmkrankheiten dadurch zu erzielen, indem sie den betreffenden Patienten Fremdkot einpflanzten. Ist hier noch ein Stuhl frei? Danke.
Und, wir erinnern uns noch an die Olypiade der kurzen Wege (Leipzisch, Leipzisch, Hauptbahnhof, bitte alles ausnippen) - das alles gibt es u. a. per Nasensonde. Direkt durchgereicht bis in den Darm. Bitte schließen sie jetzt die Gurte! (Bei Lauf an der Pegnitz wird der vordere Teil des Zuge abgekoppelt und ändert die Fahrtrichtung!)
Ich weiß, wir wollen nicht immer albern sein, es gibt Leute, denen hilft das, die sind darauf angewiesen. Also, Haltung bitte! Haaaaltung! (versteckter politischer Kalauer..., sie wissen schon) Und allerseits einen schönen Abend, gute Nacht, guten Appetit und so weiter. ;o)
Die Ärzte »Gehn wie ein Ägypter« (»Ist das alles?«, 1987)
Ach was soll´s, die Assoziationskette Medizin-Ärzte-Bangles soll ruhig zu Ende geführt werden... Das Original der Damen aus, scheisse ich hab´s vergessen... ;o)
The Bangles »Walk Like An Egyptian« (»Different Light«, 1986)
Und, wir erinnern uns noch an die Olypiade der kurzen Wege (Leipzisch, Leipzisch, Hauptbahnhof, bitte alles ausnippen) - das alles gibt es u. a. per Nasensonde. Direkt durchgereicht bis in den Darm. Bitte schließen sie jetzt die Gurte! (Bei Lauf an der Pegnitz wird der vordere Teil des Zuge abgekoppelt und ändert die Fahrtrichtung!)
Ich weiß, wir wollen nicht immer albern sein, es gibt Leute, denen hilft das, die sind darauf angewiesen. Also, Haltung bitte! Haaaaltung! (versteckter politischer Kalauer..., sie wissen schon) Und allerseits einen schönen Abend, gute Nacht, guten Appetit und so weiter. ;o)
Die Ärzte »Gehn wie ein Ägypter« (»Ist das alles?«, 1987)
Ach was soll´s, die Assoziationskette Medizin-Ärzte-Bangles soll ruhig zu Ende geführt werden... Das Original der Damen aus, scheisse ich hab´s vergessen... ;o)
The Bangles »Walk Like An Egyptian« (»Different Light«, 1986)
02.12.2011
Rattenkampf, Kapitel 15
Vorletztes Kapitel. Zeit, mal ordentlich auf die Trändrüse zu drücken. Oder an einer Fortsetzung zu schrauben. Oder die Fernsehrechte an RTL zu verscherbeln (wenn ich´s richtig verstanden habe, wird seitens der Grünen gerade ein bundesweites ARD-Verbot angeschoben?!)...
Moment mal, Hannes Jaenicke ist gerade im ICQ!.
Oder einfach noch schnell das meistgehörte Lied des letzten Tages abzuspielen...
Dann aber los!
Tulus »Space Oddity« (»Cold Core Collection«, 2000)
Kapitel 15
Zurück ging es genauso. Sie dirigierte und er gehorchte. Aber er hatte eine kleine Änderung eingeführt.
Sie hatte Angst vor ihm. Angst, in seine Nähe zu kommen. Das nutzte er geschickt aus. Er schob sie sich zurecht. Wie mit einem Gummiseil verbunden, zogen sie aneinander. Sie mehr, er weniger.
Seine vermutlich letzte Chance war das Parkett und ein uralter Trick, den anzuwenden er er sich fast schämte. An beiden Längsseiten des Esstisches lagen Läufer, die quer durch den ganzen Raum reichten und auf denen jeweils zwei Stühle aufgereiht waren.
Er stand neben dem linken Läufer, zwischen dem Tresor und den Stühlen. Wenn er jetzt einen Schritt zurücktrat, mußte sie einen nach vorn tun. Vorausgesetzt, sie durchschaute ihn nicht. Sie tat ihm diesen Gefallen. Erster Fehler.
Er schaute zur Seite in Richtung des Tisches, um sie abzulenken. Sie folgte seinem Blick. Zweiter Fehler.
Er ließ sich in die Hocke fallen, schnellte anschließend nach oben und riß dabei den Läufer mit hoch. Die Stühle krachten aneinander und ihr zog es die Beine weg. Sie ruderte mit beiden Armen, mit beiden Waffen in der Luft herum, um ihr Gleichgewicht wieder zu erlangen, anstatt sich fallen zu lassen und auf ihn zu schießen. Kein Fehler.
Wenn er tot war, blieb der Tresor zu.
Er lag auf ihr und sie gab sofort auf. Sie hätte keine Chance gehabt. Die Revolver lagen irgendwo im Zimmer. Er blieb auf ihr liegen und er hielt sie fest. Aber nicht so, wie man ein Opfer in Schach hält. Nach langem Zögern legte sie eine Hand um ihn. Er bemerkte es und lockerte seinen Griff. Eine halbe Ewigkeit später stand er auf und half ihr auf die Beine.
Es hatte keinen Sinn mehr. M. war tot und es war seine Schuld. Sie mußte das Risiko verringern und einen von beiden ausschalten, als sie hier eindrang. M. war für sie nutzlos, also mußte sie sterben.
Er hatte nicht vor, sie zu rächen. Sie hier ebenfalls umzubringen wäre sinnlos. Im Gegenteil, er brauchte sie jetzt, da die M. nicht mehr zur Verfügung stand, um den Inhalt des Tresors schnell zu Geld zu machen. Sie brauchte ihn, um unterzutauchen. Sie war fremd hier und er kannte jedes Rattenloch in dieser Stadt.
Pack schlägt sich, Pack verträgt sich. Ratten waren intelligente Tiere und ihr Überlebenswillen versetzte Berge. Wenn es die Menschen schon lange nicht mehr gab, würden die Ratten an ihre Stelle treten. Sie taten es auch jetzt schon.
666 666. Sechs mal die Sechs konnte man sich einfach merken. Der Safe war leer. Nein, nicht ganz. Ein Brief lag darin. »An meinen lieben Little Big Joe Black« las er tonlos vor. Sie ließ sich auf einen Stuhl fallen und stierte ins Leere.
Er hätte sie heute Nachmittag erschießen sollen. Wie eine Ratte. Jetzt war es dafür zu spät. Es machte keinen Sinn mehr. Den Brief steckte er ein. Er würde ihn später lesen.
Er hätte sie erschießen sollen. Aber es war aus seiner Sicht nicht notwendig gewesen. Er war kein Killer. Die paar Ratten, die er hatte abknallen müssen, zählten nicht.
Die Wohnung war clean. Hier gab es nichts mehr zu holen, nur in der Anrichte lag etwas Geld. Den großen Schein ließ er liegen, den Rest gab er ihr. Es würde für ein Ticket rund um den Globus reichen. Mit dem Rest konnte sie ein paar Monate auskommen.
Sie nahm das Geld wortlos, ohne hinzuschauen und steckte es ein. Das hieß, daß sie nun verschwinden und untertauchen sollte. Ihre Partnerschaft hat also ganze 5 Minuten gehalten. Es war besser so. Für ihn. Sie war die heiße Kartoffel, die jeder fallen ließ.
Gut, solange der Joker noch rein nach seiner Vernunft handelte, sollte sie sein Angebot annehmen und gehen. Laufen, so weit weg wie möglich. Egal, wo die Unterlagen nun waren. Ihre Zeit, sie zu besorgen, war abgelaufen.
Der tote Joe war ein Kolateralschaden, den ihre Auftraggeber billigend in Kauf genommen hätten, wenn sie in der Lage gewesen wäre, die Dokumente zu liefern. Die tote M. war, ohne die Unterlagen zu besitzen, eine Tote zu viel. Jetzt mußten sie annehmen, gelinkt worden zu sein. Glauben würde ihr keiner.
Ihr Blick ruhte auf dem Rücken des Jokers. So lange er lebte, würde er vielleicht das Feuer auf sich ziehen. Wenn sie nicht zu finden war, würden sie sich an ihn halten. Vielleicht hat er Glück und überlebt. Vorausgesetzt, die Dokumente tauchen nirgendwo auf. Dann würde vielleicht Gras über die Sache wachsen.
Es war auch gut möglich, daß sie auf seine Dienste zurückgreifen mußte. Zeit heilt alle Wunden, und Ratten erholten sich schnell.
Sie zog die Tür hinter sich zu und ließ ihn mit der M. allein.
In ihrer Stirn war nur ein kleines Loch. Ihr Kinn ragte unnatürlich nach oben und ihr Gesicht fiel steil nach hinten ab. So lag man auf den Rücken, wenn man keinen Hinterkopf mehr besaß.
7,62 x 38 mm Nagant, made in Belgium.
Sie war trotzdem noch schön. Das, was er da sah, war nicht die tote M., sondern ihr Gesicht von gestern Abend, als sie schlief. Das Einzige, was er noch für sie tun konnte, war sie mit der Decke zu verhüllen, unter der sie gemeinsam die Nacht verbracht hatten. Dann wandte er sich von ihr ab. Seine Pistole legte er in den Safe und einer Eingebung folgend, warf er etwas hinterher, bevor er ihn verschloß. Den Schlüssel steckte er ein.
Das war kein Risiko. Dann beseitigte er die Spuren des Kampfes. Er rückte den Läufer wieder gerade und stellte die Stühle wieder auf. Ihren Zweitschlüssel für die Wohnung legte er neben ihre Leiche. Dann nahm er das Telefon und wählte den Notruf der Polizei.
The Bangles »In Your Room« (»Everything«, 1988)
16.11.2011
Rattenkampf, Kapitel 9
Draußen ergraut es langsam. Passt zu unserer Geschichte, denn diese ist nun über den Berg - die Hälfte haben wir weg; allen, die bis hierher ausgehalten haben: Glückwunsch/Beileid (zutreffendes bitte selbstständig unterstreichen)!
Außerdem, wäre ja gelacht, wenn man nicht täglich was dazulernen würde, bemerkte ich gerade, dass, wenn ich mir ne dritte oder vierte Mailadresse zulegen würde, sich die Chance, dass der lektorierte Text mich auch wirklich nicht erreicht, um einiges erhöhen würde... ;o)
Amorphis »Light My Fire« (»Tales From The Thousand Lakes«, 1994)
Kapitel 9
Genau das hatte sie erwartet. Eine Luxuswohnung mit Geschmack, aber fehlendem Eigenleben. Die scheinbare Unordnung war wohldosiert und sollte Gemütlichkeit vortäuschen. Ihr zu Hause würde einmal anders aussehen, das schwor sie sich.
Sie haßte diesen Prunk. Aus jeder Ritze, aus jedem Möbelstück schien Geld zu quellen, das darauf aus war, den Gast zu erschlagen. Sie widerstand der Versuchung, sich in dieses Riesensofa zu setzen, sich dabei etwas auszuruhen und aufzuwärmen.
Deswegen war sie nicht hier. Sie hatte Glück. Die Concierge hatte ihre Loge verlassen, und durch die Haustür war sie ganz selbstverständlich mit einer älteren, halbblinden Dame, einer Hausbewohnerin, gekommen. Die Wohnungstür war ebenfalls kein Hindernis. Das Schloß war alt und ausgeleiert, was es schon beinahe wieder schwierig machte, ihren »Universalschlüssel« korrekt anzusetzen.
Nachdem sie gesehen hatte, wie beide das Haus verließen, hatte sie lange überlegt, ob sie das Risiko eingehen konnte, bei der M. einzubrechen. Aber sie mußte irgendetwas tun und konnte nicht länger warten.
Den »Blindsafe« hatte sie schnell gefunden. Der war hinter einem Bild in die Wand eingelassen - und es soll Einbrecher geben, die auf so etwas hereinfallen. Besser versteckt war der richtige Tresor. Fest in ihrem massiven Schreibtisch verankert und unter einer Intarsientür verborgen, war er viel schwerer zu entdecken.
Das letzte Mal war er vor wenigstens einem halben Jahr geöffnet worden, denn der Staubfilm auf ihm war unberührt. Eine kaum zu sehende Haarsicherung war auch noch intakt. Ging die Tür auf, mußte das Haar unbemerkt nach unten fallen; und derjenige, der es angebracht hatte, wußte, daß der Tresor sein Geheimnis preisgegeben hatte.
Das war die Handschrift Joe Blacks. Den Tresorschlüssel fand sie in der Küche im Besteckkasten. Aber ohne die Zahlenkombination war er nutzlos, und einen Hinweis auf diese konnte sie nicht entdecken. Sie mußte hier irgendwo sein. Für jeden sichtbar, aber nicht auf den ersten Blick erkennbar. Nach einer halben Stunde gab sie auf.
Sie hatte keine Chance, das Rätsel ohne einen Ansatz oder Hinweis zu lösen und sie setzte jetzt ausschließlich auf den Joker. Als sie die Wohnung verließ, ahnte sie nicht, was sie übersehen und welchen Fehler sie damit begangen hatte.
Das Opernhaus war nicht gerade das, was man altehrwürdig nennen würde, aber dennoch stilvoll ausgestattet und von innen deutlich sehenswerter als von außen. Das befanden sie beide, als sie sich während einer Pause an einem der zahlreichen Stehtische im Gang hinter den oberen Rängen bei einem Glas Rotwein, für Außenstehende im Stile eines alten Ehepaares, unterhielten.
Ihr wäre ein standesgemäßer Drink willkommener gewesen, jedoch tranken sie aus irgendeinem fremdbestimmt wirkenden Grund wie alle Umstehenden Wein. Für den Moment mußte das also reichen, um nicht irgendwie aus der Reihe zu tanzen. Ihm war das eher recht denn wenn alles nach Plan verlaufen sollte, war das Letzte was er brauchte, die warme Decke eines ansonsten als barmherzig empfundenen Rauschzustands.
So standen sie und sprachen eine Weile gar nicht.
»Feuer?« antwortete er mehr, als er fragte und hielt ihr die Flamme vor die Zigarette. Sie sog den ersten Zug gierig ein, während er sich selbst eine aus seiner Packung fischte und anzündete. Er hatte sich seit längerem vorgenommen, endlich mal das Rauchen einzustellen, oder zumindest auf ein gesundes Maß zu reduzieren. Er mußte lächeln. »Gesundes Maß« schien nur eine Redewendung zu sein - nein, sie war es wirklich. Die glühenden Spitzen der Zigaretten näherten sich den Filtern, wie die wild glühenden Ausläufer eines tosenden Vulkans, denn die Pause währte nicht ewig und die Sucht, nach Nikotin, nach der rauschenden Befriedigung an sich, mußte gestillt werden; schließlich drückten sie die Stummel aus, leerten die Reste ihrer Gläser und kehrten schweigend, aber vertraut zweisam, zur Vorstellung zurück.
Gesprochen hatten sie nicht viel, aber manchmal bedarf es keiner umschweifenden Worte, um einander nah zu sein. Dachte sie zumindest, wenngleich der frivole Drang nach einem anständigen Drink ihre Kehle umgriff, wie ein Mörder in einer finsteren Gasse.
Der Vorhang, groß, schwer, aus blauem Samt, öffnete sich wieder, ein paar letzte Leute räusperten sich, flüsterten hier und dort; zeitgleich erklang ein schwerer Ton und die Vorstellung fand ihre Fortsetzung.
Vierter Akt. Mélisande und Pelléas verabschieden sich voneinander. Getragen von sphärischen, eher beruhigend wirkenden Klängen. Diese Beruhigung nahmen beide wohlwollend in Empfang, die musikalische Stille des Moments könnte nach beider Empfinden ewig währen und sie wußten, daß der jeweils andere das Gleiche dachte.
Der Rest des vierten Aktes, ebenso der fünfte Akt samt Finale, welchem ein zwar verhaltener, aber lang anhaltender Applaus folgte, verflogen gefühlt schneller als die vorangegangenen Teile der Oper. Nur noch wenige Menschen befanden sich in der Nähe ihrer Sitze, als sie sich erhoben.
Im seltsam modern, pseudomodern, wie er es gern nannte, eingerichteten Foyer des Opernhauses fragte er dann kurz: »Geht es?«.
»Geht was?«, fragte sie in etwas schroffer Tonart, was ihn augenblicklich zu verunsichern schien.
»Ich meine ... dein Mann. Was weißt du darüber?«, erkundigte er sich eher aus automatischer Neugier als empfundenem Beileid und fügte beschwichtigend an: »Wenn du darüber sprechen möchtest...«.
Sie überlegte einen Moment lang, erwiderte dann: »Schon gut. Jetzt lieber nicht.«, was er mit einem Nicken quittierte. Sie würde ihre Gründe haben, da war er sich sicher, todsicher.
Er unterdrückte ein Schmunzeln und orderte ungefragt zwei weitere Gläser Wein. Nach dem mittlerweile überflüssig wirkenden Procedere – scheinbar verliebter Blick in die Augen, auf dein Wohl, nein auf deines, na gut, auf unseres, gefolgt von kindischem Kichern - näherten sich die Lippen, mehr der schnellen Flucht als dem Genuß verpflichtet, den Gläsern, um diese Minuten später geleert neben dem, sich scheinbar antiproportional füllenden, Aschenbecher abzustellen.
»War schön«, gab sie zu verstehen.
»Mélisande, Pelléas, oder der ganze Abend?«, witzelte er.
»Mélisande und Pelléas … der Abend ist ja noch nicht zu Ende und du weißt doch, daß man ihn nicht vorzeitig loben sollte. Ach nein, das war der Tag... egal, du weißt schon, was ich meine.« Sie lachten.
»Weiß ich das?«, fragte er spitzbübisch, und sie schritten die letzten Stufen zum Ausgang hinab. Draußen war es noch ungemütlicher geworden. Der Nieselregen war praktisch derselbe, jedoch hatte die anfängliche Kühle einer unbarmherzigen Kälte Platz gemacht.
The Bangles »Bitchin´ Summer« (1981)
Außerdem, wäre ja gelacht, wenn man nicht täglich was dazulernen würde, bemerkte ich gerade, dass, wenn ich mir ne dritte oder vierte Mailadresse zulegen würde, sich die Chance, dass der lektorierte Text mich auch wirklich nicht erreicht, um einiges erhöhen würde... ;o)
Amorphis »Light My Fire« (»Tales From The Thousand Lakes«, 1994)
Kapitel 9
Genau das hatte sie erwartet. Eine Luxuswohnung mit Geschmack, aber fehlendem Eigenleben. Die scheinbare Unordnung war wohldosiert und sollte Gemütlichkeit vortäuschen. Ihr zu Hause würde einmal anders aussehen, das schwor sie sich.
Sie haßte diesen Prunk. Aus jeder Ritze, aus jedem Möbelstück schien Geld zu quellen, das darauf aus war, den Gast zu erschlagen. Sie widerstand der Versuchung, sich in dieses Riesensofa zu setzen, sich dabei etwas auszuruhen und aufzuwärmen.
Deswegen war sie nicht hier. Sie hatte Glück. Die Concierge hatte ihre Loge verlassen, und durch die Haustür war sie ganz selbstverständlich mit einer älteren, halbblinden Dame, einer Hausbewohnerin, gekommen. Die Wohnungstür war ebenfalls kein Hindernis. Das Schloß war alt und ausgeleiert, was es schon beinahe wieder schwierig machte, ihren »Universalschlüssel« korrekt anzusetzen.
Nachdem sie gesehen hatte, wie beide das Haus verließen, hatte sie lange überlegt, ob sie das Risiko eingehen konnte, bei der M. einzubrechen. Aber sie mußte irgendetwas tun und konnte nicht länger warten.
Den »Blindsafe« hatte sie schnell gefunden. Der war hinter einem Bild in die Wand eingelassen - und es soll Einbrecher geben, die auf so etwas hereinfallen. Besser versteckt war der richtige Tresor. Fest in ihrem massiven Schreibtisch verankert und unter einer Intarsientür verborgen, war er viel schwerer zu entdecken.
Das letzte Mal war er vor wenigstens einem halben Jahr geöffnet worden, denn der Staubfilm auf ihm war unberührt. Eine kaum zu sehende Haarsicherung war auch noch intakt. Ging die Tür auf, mußte das Haar unbemerkt nach unten fallen; und derjenige, der es angebracht hatte, wußte, daß der Tresor sein Geheimnis preisgegeben hatte.
Das war die Handschrift Joe Blacks. Den Tresorschlüssel fand sie in der Küche im Besteckkasten. Aber ohne die Zahlenkombination war er nutzlos, und einen Hinweis auf diese konnte sie nicht entdecken. Sie mußte hier irgendwo sein. Für jeden sichtbar, aber nicht auf den ersten Blick erkennbar. Nach einer halben Stunde gab sie auf.
Sie hatte keine Chance, das Rätsel ohne einen Ansatz oder Hinweis zu lösen und sie setzte jetzt ausschließlich auf den Joker. Als sie die Wohnung verließ, ahnte sie nicht, was sie übersehen und welchen Fehler sie damit begangen hatte.
Das Opernhaus war nicht gerade das, was man altehrwürdig nennen würde, aber dennoch stilvoll ausgestattet und von innen deutlich sehenswerter als von außen. Das befanden sie beide, als sie sich während einer Pause an einem der zahlreichen Stehtische im Gang hinter den oberen Rängen bei einem Glas Rotwein, für Außenstehende im Stile eines alten Ehepaares, unterhielten.
Ihr wäre ein standesgemäßer Drink willkommener gewesen, jedoch tranken sie aus irgendeinem fremdbestimmt wirkenden Grund wie alle Umstehenden Wein. Für den Moment mußte das also reichen, um nicht irgendwie aus der Reihe zu tanzen. Ihm war das eher recht denn wenn alles nach Plan verlaufen sollte, war das Letzte was er brauchte, die warme Decke eines ansonsten als barmherzig empfundenen Rauschzustands.
So standen sie und sprachen eine Weile gar nicht.
»Feuer?« antwortete er mehr, als er fragte und hielt ihr die Flamme vor die Zigarette. Sie sog den ersten Zug gierig ein, während er sich selbst eine aus seiner Packung fischte und anzündete. Er hatte sich seit längerem vorgenommen, endlich mal das Rauchen einzustellen, oder zumindest auf ein gesundes Maß zu reduzieren. Er mußte lächeln. »Gesundes Maß« schien nur eine Redewendung zu sein - nein, sie war es wirklich. Die glühenden Spitzen der Zigaretten näherten sich den Filtern, wie die wild glühenden Ausläufer eines tosenden Vulkans, denn die Pause währte nicht ewig und die Sucht, nach Nikotin, nach der rauschenden Befriedigung an sich, mußte gestillt werden; schließlich drückten sie die Stummel aus, leerten die Reste ihrer Gläser und kehrten schweigend, aber vertraut zweisam, zur Vorstellung zurück.
Gesprochen hatten sie nicht viel, aber manchmal bedarf es keiner umschweifenden Worte, um einander nah zu sein. Dachte sie zumindest, wenngleich der frivole Drang nach einem anständigen Drink ihre Kehle umgriff, wie ein Mörder in einer finsteren Gasse.
Der Vorhang, groß, schwer, aus blauem Samt, öffnete sich wieder, ein paar letzte Leute räusperten sich, flüsterten hier und dort; zeitgleich erklang ein schwerer Ton und die Vorstellung fand ihre Fortsetzung.
Vierter Akt. Mélisande und Pelléas verabschieden sich voneinander. Getragen von sphärischen, eher beruhigend wirkenden Klängen. Diese Beruhigung nahmen beide wohlwollend in Empfang, die musikalische Stille des Moments könnte nach beider Empfinden ewig währen und sie wußten, daß der jeweils andere das Gleiche dachte.
Der Rest des vierten Aktes, ebenso der fünfte Akt samt Finale, welchem ein zwar verhaltener, aber lang anhaltender Applaus folgte, verflogen gefühlt schneller als die vorangegangenen Teile der Oper. Nur noch wenige Menschen befanden sich in der Nähe ihrer Sitze, als sie sich erhoben.
Im seltsam modern, pseudomodern, wie er es gern nannte, eingerichteten Foyer des Opernhauses fragte er dann kurz: »Geht es?«.
»Geht was?«, fragte sie in etwas schroffer Tonart, was ihn augenblicklich zu verunsichern schien.
»Ich meine ... dein Mann. Was weißt du darüber?«, erkundigte er sich eher aus automatischer Neugier als empfundenem Beileid und fügte beschwichtigend an: »Wenn du darüber sprechen möchtest...«.
Sie überlegte einen Moment lang, erwiderte dann: »Schon gut. Jetzt lieber nicht.«, was er mit einem Nicken quittierte. Sie würde ihre Gründe haben, da war er sich sicher, todsicher.
Er unterdrückte ein Schmunzeln und orderte ungefragt zwei weitere Gläser Wein. Nach dem mittlerweile überflüssig wirkenden Procedere – scheinbar verliebter Blick in die Augen, auf dein Wohl, nein auf deines, na gut, auf unseres, gefolgt von kindischem Kichern - näherten sich die Lippen, mehr der schnellen Flucht als dem Genuß verpflichtet, den Gläsern, um diese Minuten später geleert neben dem, sich scheinbar antiproportional füllenden, Aschenbecher abzustellen.
»War schön«, gab sie zu verstehen.
»Mélisande, Pelléas, oder der ganze Abend?«, witzelte er.
»Mélisande und Pelléas … der Abend ist ja noch nicht zu Ende und du weißt doch, daß man ihn nicht vorzeitig loben sollte. Ach nein, das war der Tag... egal, du weißt schon, was ich meine.« Sie lachten.
»Weiß ich das?«, fragte er spitzbübisch, und sie schritten die letzten Stufen zum Ausgang hinab. Draußen war es noch ungemütlicher geworden. Der Nieselregen war praktisch derselbe, jedoch hatte die anfängliche Kühle einer unbarmherzigen Kälte Platz gemacht.
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