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12.04.2016

Böhmermann im Porzellanladen

Das omnipräsente, wie die letzte Schlacht auf Erden gefeierte, Thema dieser Tage ist wohl Jan Böhmermanns Schmähgedicht (gute Chancen zum [Un-)Wort des Jahres?) über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan. Und nun, wo praktisch alle relevanten und nicht relevanten Personen ihre Meinung dazu geäußert haben, möchte ich an dieser Stelle auch noch ein Löffelchen Senf reichen...

Mal abgesehen davon, ob man Böhmermanns Verse nun qualitativ berauschend oder eher abführend findet und die Frage, was Kunst, respektive Satire hierzulande darf und was eben nicht, stellt sich nur die Frage, wie sehr sich die Landesoberen zum Gespött machen, überhaupt darauf zu reagieren. Natrürlich gibt´s Paragraphen, hier wie da, die solch blasphemisches Bohei nicht gutheißen. Aber so ein Akt, wegen einer Aufführung eines Komikers auf einem Sender, den die Meisten wahrscheinlich nicht mal empfangen können? Hat Erdoğan vielleicht irgendein Zusatzpaket zum normalen Antennenfernsehen gebucht, oder am Ende womöglich das komplette Sky-Programm in HD? Schon klar, dass ein Präsident, in Zeiten wie diesen, wo der Grat zwischen Schurkenstaat und Bündnispartner von einem Tag auf den anderen ohne dicke Brille manchmal kaum auszumachen ist, abends auch mal mit runtergekrempelten Socken am heimischen TV-Gerät ein bisschen rumzappt um abzuschalten, denn schließlich hat er tagsüber genug Probleme an der Backe. Aber dann sollte er sich entspannt schlafen legen und am nächsten Morgen gefälligst mit bester Laune wieder zur Tagesordnung übergehen. Machen Millionen Fachkräfte jeden verfluchten Tag so. ;o)

Und weil gerade nichts anderes zur Hand ist, widmen wir uns im abschließenden musikalischen Beitrag dem neuen Projekt von Ministry´s Al Jourgensen, so bunt, hektisch und verwackelt wie eben jenes Thema. Uncle Al würde sich darüber sicher beömmeln. Ich schick ihm gleich ne Mail...

In diesem Sinne: danke für die Aufmerksamkeit & Şerefe!

Surgical Meth Machine »I Don´t Wanna« (»Surgical Meth Machine«, 2016)

01.05.2015

Der Fluch (Büyü)

Hm, ich muss zugeben, mich ewig geziert zu haben, diesen Film zu konsumieren. Was einzig und allein an seiner Herkunft lag, Horror aus der Türkei konnte ich mir schwer vorstellen. Aber immerhin, Büyü hat sogar nen eigenen Wikipedia-Eintrag und da wir ohnehin im Zeitalter der Globalisierung leben, muss man auch Dingen ne Chance geben, die schon von weitem in Leuchtbuchstaben Exotenbonus blinken lassen und man das eher als Warnung, denn als Werbung wahrnimmt. ;o)


Am Anfang erfahren wir, dass eine Zauberin ein paar Jahrhunderte in der Vergangenheit weibliche Kinder eines Dorfes tötete, was schließlich zum Niedergangs desselben führte. So viel zum Fluch oder dem, für was die Leute ihn hielten. In der Gegenwart macht sich eine Gruppe Studenten, vorwiegend weiblich, samt Professor aus der türkischen Hauptstatt auf in die Wüste um an jenem Ort Ausgrabungen zu tätigen. Klar, da spukt es natürlich und es werden nicht alle überleben können...

Was soll man sagen... Auch wenn gerade Istanbul keines Falls hinterm Mond liegt, mutet der Film streckenweise erstaunlich westlich an (Kleidung, Umgangston usw.). Auf der anderen Seite sind gerade die Dialoge teilweise grottig und die Mädels tapsen teilweise etwas planlos durch die eigentlich gelungene Kulisse. Bleibt unterm Strich Durchschnitt, muss man nicht gesehen haben, kann man aber, wenn man entweder nichts anderes vor hat, oder einfach mal Bock auf nen Horrofilm hat, der eben nicht aus einem klassischen Horrorland kommt.

Vorsicht, hinter dir...! BÜÜÜH! ;o)

Propaganda »The Murder Of Love« (»A Secret Wish«, 1985)

18.11.2012

Bundeswehr vs. Böse

Was sagt man denn dazu, dass die Regierung in Erwägung zieht, demnächst im Konflikt zwischen unseren türkischen und syrischen Freunden mithilfe der Bundeswehr mitmischen zu wollen (Artikel z. b. hier: klickklack)?

Ganz normal kann das doch nicht sein. Spalten wir (mit wir sind natürlich nicht wir, sondern unsere gewählten Volksvertreter gemeint, die ja dann auch wieder wir sind, irgendwie) immer allen den Schädel, denen wir vorher Waffen und Munition verhökert haben? Meine Fresse, wie vielfältig eine lobbybespaßte Regierung mit einem C im Namen doch die Bibel nach Belieben interpretiert. Nicht töten, aber Zahn um Zahn und so weiter... dem Kapitalismus untergeordnete Wertgefühle und Menschenrechte unter dem Vorwand von Solidarität (dieses Wort schlagen wir im Lexikon für völlig veraltete Floskeln nach) - Respekt, ihr Wichser - für wie dämlich haltet ihr die Menschen im Lande eigentlich? Offenbar aber für dämlich genug, was eine flockige Mehrheit bei den nächsten Wahlen auch dankbar belegen wird (Wahlergebnisse 2013 gibt der Channel666 auf Anfrage schon heute raus, hehe...).

KMFDM »Helmut mein Helmut« (»Opium«, 1984)

25.02.2012

bisschen ESC-Zeug

Hier mal ne Kleinstauswahl an bis jetzt feststehenden Kandidaten für den diesjährigen Eurovision Song Contest. Erster Eindruck: wenig Licht, viel Schatten und das unsägliche Gefühl, die Neunziger wären wieder da... ;o)

Der maltesische Kandidat hört auf den Namen Kurt Calleja. Bei solchen Nummern hat man immer das Gefühl, sie schon hundert mal gehört zu haben, geht mir zumindest so.


Kurt Calleja »This Is The Night«

Norwegen versucht es mit preiswerter Dancemusic. Bei Norwegen hab ich immer anderen Sound im Kopf, aber das ist wohl Geschmackssache...


Trooji »Stay«

Die Türken, die in jüngerer Vergangenheit gerne mal rockig und qualitativ immer recht hochwertig daher kamen, packen diesmal die Folklorekeule aus.


Can Bonomo »Love Me Back«

Irland schickt erneut die Grimes-Zwillinge, ihres Zeichens Frisuren- und Haarlackbanditen, aka Jedward ins Rennen. Klingt so was von beschissen Neunziger, aber ich vermute mehr Punkte, als man denkt...


Jedward »Waterline«

Den absoluten Vogel schießen aber unsere alpenländischen Nachbarn ab. Armes Österreich! Es gibt ja Sachen, die sind so schlecht, dass sie schon wieder gut sind. Die Trackshittaz machen ihrem Namen jedoch alle Ehre und ihr Lied ist so scheisse, dass es einfach scheisse bleibt. (Beim Video gucken unbedingt Augen und Ohren zuhalten!)


Trackshittaz »Woki mit dem Popo«

Na gut, das soll erst mal reichen für den Anfang. So viele Eindrücke wollen erstmal verarbeitet sein. Bis jetzt hat mich noch nichts so richtig vom Sessel gahauen, aber der entscheidende Eindruck ensteht auch erst beim ESC an sich. Wir hatten es schon mal, aber bis jetzt sprachen die Schweizer Sinplus meine seichtpoppige Ader (jahaaa, die hapich!) am meisten an. Also noch mal zum Schluss...


Sinplus »Unbreakable«

Ach so, Deutschland will ja auch die berühmten 12 Punkte... Mittlerweile gibt es auch ein kleines Video...


Roman Lob »Standing Still«

Nun aber gut für heute. Schönes Restwochenende! ;o)

21.11.2011

den Tätern auf der Spur...

Prinzipell geht mir sämtliches Ost/West-Gesülze tierisch auf den Zeiger. Wir rechnen nach: BRD, DDR 40 Jahre, jetzt 21 Gesamtdeutschland, die erste Halbzeit ist längst gelaufen. Ist nur noch nicht in allen Köpfen angekommen. Dennoch muss ich mal ein paar Zeilen zum Thema ablassen.

Was dieser Tage durch die Medien schallt ist an Taktlosigkeit und schlichter Arroganz wieder mal nicht zu unterbieten. Ein Aufschrei! Die Nazis! Aus dem Osten! Hinter jeder Litfaßsäule lauern sie. Da wirde der Ossi zur gemeingefährlichen Randgruppe degradiert, dass es eine Freude ist.

Gut, sie nennen nur beim Namen, was der Deutsche an sich schon weiß. Den eigentlichen, wie nennt man so was, Stammtischrassismus vielleicht, verbirgt man dabei auch nicht gerade geschickt. Anfangs gingen die ermittelnden Behörden ebenso wie der aufmerksame Nachbar (letzte Woche aus Antalya zurück gekommen, Wetter war schön, aber das Essen...) glasklar davon aus, das die türkischstämmigen Mordopfer von ihren eigenen Leuten erschossen wurden, was schlussrichtig den einzig möglichen Begriff - Döner-Morde - zum Ergebnis hatte. Eine Bevölkerungsgruppe auf ein Fastfoodprodukt zu reduzieren - Respekt, nicht schlecht! Nun, da es alle besser wissen, der Terror trug nicht, wie im Lehrbuch ein Kopftuch, könnte man sich wenigstens aus Respekt gegenüber den Opfern und ihren Angehörigen mal so sachte auf einen neuen Begriff einigen. Könnte. Hat man aber glatt vergessen, es waren und bleiben weiterhin die Döner-Morde. Konnte sich bei aller Ossi-Hetze auch keiner drum kümmern.

Ebenso wenig erscheint logisch, warum, trotz Einsatz moderner Kameras und sonst was für tollen Strategien, immerwieder ausschließlich ostdeutsche Fussballvereine, zuletzt die ruhmreiche SGD, politisch gegrätscht werden. Es kracht in etlichen Fussballstadien, brennt hier, prügelt sich da. Der deutsche Fussballbund ahndet so was gerne mit Geldstrafen um die zwanzigtausend Euro. Dynamo soll aber gleich aus dem nächsten Pokal gewippt werden, was finanziell mindestens fünfzig mal so schwer wiegt. Selbst bei den Spielübertragungen im TV, lassen sich Experten wie Poschmann & Co. dazu hinreißen auf flacheste Art Flagge zu zeigen. SGD Randale: Kamera drauf, ellenlange Kommentare während und nach dem Spiel. Feuerchen in Frankfurt am Main: Kann mal passieren, sollen sich ja nicht erkälten. Fertig.

Summa summarum stellt sich die Frage, ob teilweise nicht auch politisches Kalkül hinter allem steckt, denn es gibt sie, diese Landstriche, in denen die Assoziationskette alle Probleme=Migranten (also auch gewalttätige Ostdeutsche)=nicht unser Problem=usw... keine schlechte Formel zur Mehrung von Wählerstimmen darstellt.

Blöd nur, wenn irgendwelche Hirnis auch immer wieder Futter dafür liefern. Beiderseits.

Ergo: Fickt euch alle ins Knie! ;o)


Die Goldenen Zitronen »Das bisschen Totschlag« (»Das bisschen Totschlag«, 1994)

12.05.2011

Unter die Räder gekommen...


Yüksek Sadakat »Live It Up« (2011)

20.04.2011

ESC

Da das Projekt (irgendwer hat mal gesagt, der junge Mensch von heute sollte immer Projekte am laufen haben) ESC-Blog vor geraumer Zeit in die Tonne getreten wurde, soll an dieser Stelle mal ein wenig Platz dafür sein. Wenn man sich mal so durch das Vorangebot an teilnehmenden Liedern wühlt, staunt man immer wieder, was da teilweise für konkurrenzfähig gehalten wird. Staunt positiv, staunt negativ, vorwiegend negativ. Gucken wir uns ein paar an... (Den kompletten Überblick gibt es hier.)

Ganz putzig ist der Finne...


Paradise Oskar »Da Da Dam« (2011)

Die Türkei kommt mal wieder rockig...


Yüksek Sadakat »Live It Up« (2011)

Ne typische Aserbaidschan-Nummer... diesmal als Duett. Gewinnt nie, ist aber todsicher in den Top10. ;o)


Ell & Nikki »Running Scarred« (2011)

Zdob si Zdub sind aus Prinzip gut!


Zdob si Zdub »So lucky« (2011)

Und, last but not least, Madame Meyer-Landrut. Den Fachleuten und vielen, die es werden wollen, schwant nichts gutes, aber von einem etwaigen Sieg mal ganz abgesehen, denke ich, dass bei einer anständigen Performance trotzdem eine gute Top10-Platzierung drin ist. Da bin ich Fan! ;o)


Lena »Taken By A Stranger« (»Good News«, 2011)

Nun, unterm Strich ist da viel Schatten, aber auch hin und wieder Licht, was die Sache aber auch Jahr für Jahr wieder spannend macht. So, jetzt bin ich in Vorstimmung... Waterloooooo!