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16.05.2014

Sepp Blatter am Arsch

Der Präsident der Fédération Internationale de Football Association, dem geneigten Fussballfreund kurz als FIFA geläufig, Josef »Sepp« Blatter ließ heute verlauten, dass die Vergabe für die Weltmeisterschaft 2022 an Katar womöglich ein Fehler gewesen sei. Ach was!? Da liest man interessiert weiter, vielleicht gibt es ja ein paar selbstkritische Einsichten. Immerhin gibt es zum gegenwärtigen Zeitpunkt schon um die 200 Todesfälle auf Baustellen für die WM; Menschen aus Asien, vor allem aus Nepal kamen dort unter unwürdigen Umständen ums Leben. Nur damit sich in ein paar Jahren ein paar Funktionäre (Herr Blatter vielleicht nicht mehr, er ist Schweizer und somit Teil einer durchschnittlichen Lebenserwartung von knapp 83 Jahren) in sonnigen Stadien präsentieren können und einer Region, die auf Lappalien wie Umwelt und Menschenrechte zugunsten einer kurzfristigen Renditenmenstruation scheißt, zu Glanz zu verhelfen.

Doch weit gefehlt. Bedenken gibt es in Sachen Temperaturen. Sommer, Sonnenschein, Sie wissen schon... unglaublich scheint diese dreiste Demonstration von Ignoranz und Selbstgefälligkeit, welche am Ende nur ein preiswertes Ablenkungsmanöver zu den akuteren Problemen der in wenigen Wochen startenden Fussballweltmeisterschaft in Brasilien (z. B. Räumungen von Favelas) darstellt. Das ist berechnend, das ist widerwärtig, das ist narzisstisch. Kurzum: Posten, wie sie ein Herr Platter inne hat gehören aufgrund der gestörten Wahrnehmung ihrer Protagonisten auf den Prüfstand, oder zumindest unter ärztliche Aufsicht!

Allerdings verfügt die FIFA über ausreichend Macht und Geld um sich über solche Dinge hinwegzusetzen und sich dabei auch noch selbst zu streicheln. Und an dieser Stelle möchte man den virtuellen Kotzbeutel verteilen.

Studfaust »Half Human, Half Dynamite« (»Studfaust«, 2012)

01.09.2011

Flieg nicht so hoch, mein kleiner Freund!

Momentan geistert der Wiesenhof-Skandal durch die Medien. Sogar die olle ARD fühlte sich dieser Tage berufen eine Reportage dazu in die deutschen Wohnzimmer zu beamen. Den Anfang nahm die Sache bei der PETA (Link zum Thema: klickklack!), die erneut Strafanzeige gegen den Geflügelkonzern stellte und brisante Videobeweise vorlegen konnte.



Nun mag das manchen in der abendlichen Gemütlichkeit schwer an die Nieren gegangen sein (Elsbeth, mach morgen lieber wieder Hackepeterschnittchen, die Puten sind vergiftet...), allerdings ist der Bürger aber auch vergesslich und obendrein gern unvernünftig, daran ändert der, sicher gut gemeinte und wahrscheinlich auch notwendige Tritt in die fauligen Eier der Lebensmittelindustrie nichts. Wird ja keiner über Nacht zum Vegetarier oder zum bessere-Welt-Warrior.

Verstehnse mich nicht falsch (passiert manchmal), ich möchte dieses Thema keineswegs herabstufen oder ins lächerliche ziehen, jedoch erscheint mir diese wellenförmig auftretende Empörung über solche Zustände eher als seltsamer Indikator einer medial halbverblödeten Gesellschaft. Wenn man einen tiefgefrorenen Vogel (der hat gelebt, gefressen, Medikamente schlucken müssen [die auch Geld kosten], wurde geschlachtet, ausgeweidet, gerupft, in Folie eingepackt, mit dem LKW von a nach b gefahren und beim Discounter weiter gepermafrostet für nicht ganz drei Euro bekomme, oder wahlweise einen halben vorm Discounter des Vertrauens, schon gegart mit knuspriger Haut, zum selben Preis, dann muss der gesunde Menschenverstand doch ausspucken, dass so was nur bei Massentierhaltung mit großindustrieller und kapitalistischer Struktur funktionieren kann.

Es wäre doch ein leichtes oder zumindest nur mittelschweres Unterfangen, seitens unserer politischen Führung Regelungen auf den Weg zu bringen, die von Anfang an sicherstellen, dass zur Nahrung des Menschen verwendete Tiere ein, ähem, menschenwürdiges Leben (und auch ordentlichen Tod) erfahren. Macht natürlich keiner, denn der Verbraucher, der ja auch irgendwo Wähler ist, könnte übellaunig reagieren (Nee, Günni, seitdem die Merkel Kanzlerin ist, ham die die leckere Putenarschpastete schon wieder um nen Euro angehoben, dat nächste mal wähln wir SPD!). Also bleibt es bei einem von den Medien getragenen Skandal und der Hoffnung auf die Mündigkeit und Schläue des einfachen Volkes. Da haben schon ganz andere drauf gehofft...

Deswegen zieht sich der eine oder andere trotzdem in Abständen nen Broiler rein und wenn man hier in der Stadt nicht gerade die Weide oder Geflügelfarm des Vertrauens vor der Türe hat, greift man dieser Form der Tierhaltung indirekt öfter unter die schmierigen Arme, als man selbst wahrhaben will.

Das ist ja das tolle heutzutage: Der Großteil macht irgendwas mit, was er gemeinhin als völlig empörend empfindet. Da beißt sich gedopte Katze in den eigenen Schwanz, den ohne Empörung kein Skandal... Aber das Volk hat eben hin und wieder Hunger auf Skandale, will nicht immer nur Putenfilet lutschen.

So haben alle was davon, nur die Tiere nicht.


The Skatoons »Kotzen« (»Einmal Ska und zurück«, 2003)

26.06.2010

Verbrauchergemeinschaft

In Dresden gibt es verschiedene Läden, in denen Bio- und Ökoprodukte angeboten werden, die sich als »VG Verbrauchergemeinschaft für umweltgerecht erzeugte Produkte eG« zusammengetan haben. So weit, so gut. In Zeiten, wo man manchmal nicht weiß, in welcher Richtung der Natur/Labor-Zeiger bei Nahrungsmitteln ausschlägt, kann man das nachvollziehen. Seltsam fand ich, bei einer Filiale um die Ecke (vorbeilaufend) nur jedesmal das Publikum (ihr wisst, was ich meine...?).

Nun hab ich mir das mal angesehen, die wollen tatsächlich als Mitgliedsgebühr 15,00 Euro pro Monat und, tamtam!, pro erwachsener Person im jeweiligen Haushalt. Würde bei zwei Erwachsenen 360,00 Euro im Jahr ausmachen, bei ohnehin schon genretypischen Verkaufspreisen.

Was will man damit erreichen?
- Dass der, der es nicht so dicke hat, sich beim Discounter gegnüber systematisch vergiftet um längerfristig so ein Säuberungsding durchzuziehen?
- Steckt was sexuelles dahinter? Singletreff bioblumenkohllutschender Leinenfetischisten vielleicht...
- Will man möglichst wenig Umsatz machen um nicht als Turbokapitalisten verschrieen zu werden?

Es bleibt schleierhaft, hat aber eine bitterschmeckende pseudoelitäre Note. Wie auch immer, im Prinzip egal, ich wollte es nur mal erzählt haben. Es gibt schließlich noch genügend anderer ähnlich gearteter Verkaufsstellen, oder bäuerliche Handelsgesellschaften, die der normalen Bevölkerung jederzeit offen stehen.

22.06.2010

noch mehr AC/DC

Noch mehr AC/DC... Ich schreibs in erster Linie für mich selber in den Blog, da kann ichs noch mal Revue passieren lassen, wenn mein Gedächtnis mich im Stich lässt.
Stichwortform, sonst Roman. Kleinere Schrift. Und los...

- 20. Juni 2010: 79 Euro, noch im alten Jahr bezahlt, öffnen das Tor zur Festwiese am Ostragehege
- laut Presse über 72.000 Fans vor Ort
- zeitiges kommen sichert gute Plätze, stehe 5m vom Fotograben entfernt, damit in einem der Dreiecke links und rechts der Bühne, wo man mit einem kleinen Armband immer wieder rein und rauskommt und welche nicht überfüllt werden, so dass man selbst während der größten Extase noch locker stehen kann (geniale Sache!)

Armband

- Bierpreise sind pervers: 4 Euro für 0,4l - der Volksmund hatte recht, als er den Kapitalismus als feige und hinterhältige Sau bezeichnete ;o)
- dafür kommt der Mann mit dem Fass auf dem Rücken zu den Leuten, erspart nerviges Gezerre an den Ständen
- die mit 2 Euro bepfandeten AC/DC-Becher nehmen viele als Souvenier mit, das dürfte noch einige Tausender in die Taschen der Veranstalter gespült haben

Biermann mit Fass-Rucksack auf dem Rücken


die Trinkgefäße

- nach über 2 Stunden Warterei und nichtabreißender Menschenströme zur Festwiese betreten dann The New Black die Bretter
- die Jungs geben sich Mühe, der Sound ist mittelgut, nur der Sänger ist nich mein Ding, es gibt aber Höflichkeitsapplaus


(blöde Aufnahme, was solls...)

- noch ein bisschen warten und schon kommen Volbeat
- Michael Poulsen gibt alles, redet nicht viel, widmet jedoch »Sad Mans Tounge« Johnny Cash und Ronnie James Dio, was Extrajubel einbringt
- die Herren an den Äxten posen wie die Großen
- der Sound wird besser
- erstes musikalisches Highlight des Tages


Volbeat lassens krachen



- wieder ein bisschen warten, Zeit für Bier rein und raus
- irgendwann, eingerahmt von amtlichen Jubelchören flimmert ein Comicstrip über die Leinwand, in dem der Rock´N´Roll Trainüber die Gleise brettert, um anschließend in echt per Hydraulik auf die Bühne gewuppt zu werden
- Pyros, Donner, die ersten lang ersehnten Riffs



- dann folgt inklusive Zugabe über 2 Stunden ein Hit dem anderen
- Showhighlights: die übergroße Rosie sitzt bei »Whole Lotta Rosie« auf der Lok, Feuerfontänen bei »Highway To Hell«, die Glocke, welche Brian Johnson durch ans-Seil-springen in Gang bringt bei »Hells Bells« und immer wieder Angus Young
- der spielt dann stehend, rennend, springend, sich auf dem Rücken wälzend als Schlusspunkt des ersten offizellen Teiles ein geschätzt 20minütiges Solo und strippt bei »The Jack«



- Phil Rudd kesselt offenbar völlig entspannt mächtig vor sich hin
- Cliff Williams zupft beinahe unsichtbar
- Malcolm Young bewegt sich auch kaum, bei Nahaufnahmen auf der Leinwand siht man jedoch seine Mimik, die dem eines vom Blitz getroffenen Karpfens an Land nicht ganz unähnlich ist (liegt wohl in der Familie, hehe)
- Brian Johnson rockt für sein Alter ebenfalls amtlich


Angus



Das wär´s in groben Zügen. Irgendwann ist Sense, der Abmarsch mehrerer zehntausend Leute gestaltet sich noch etwas schleppend, aber es geht. Draussen warten schon Schwarzhändler, die z. B. Dosenbier für 2,50 Euro verklingeln (siehe oben, was der Volksmund dazu sagt, hehe).

Was bleibt ist ein unvergesslicher Abend mit saustarker Musik, grandiosen AC/DC, netten Leuten drumherum und vielen postivien, sicher lang anhaltenden Eindrücken.

FOR THOSE ABOUT TO ROCK - WE SALUTE YOU!