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08.01.2014

Skifahren will gelernt sein

Na so was! Nach dem Schumi schon feststellen musste, dass Tiefschneetauchen kein Kindergeburtstag ist, hat es nun auch noch die Sportskanone der Nation erwischt, die Bundeskanzlerin hat jetzt Becken, zum Glück nicht Oberschenkelhals (soll ja mitunter gar nicht gut heilen).

Da freut man sich als unbedeutender Freizeitsportler direkt, dass im Flachland kein Schnee liegt und stellt nach dem Maiglöckchenzählen die Figuren auf´s Schachbrett. Sport frei! ;o)

Ronny Trettmann »Skiurlaub« (»Tanz auf dem Vulkan«, 2013)

02.01.2014

Peng!

Guten Morgen allerseits und noch mal (wie lange kann man sich das eigentlich üblicherweise gegenseitig wünschen?) allen ein gesundes, frohes und, weiß der Fuchs was noch alles, schönes neues Jahr! ;o)

Nun waren die Tage ja auch ohne Feuerwerk reichlich spektakulär. Schumi hat Bautz gemacht, nicht etwa, wie erwartet in der Schikane nach dem Tunnel (wo Heinz Harald Frentzen seinerzeit souverän runterschaltete - was macht der eigentlich momentan?), nein, beim Skifahren, wer hätte das gedacht. Sowas zieht natürlich ein gewaltiges mediales Bohei nach sich, an dem wir an dieser Stelle gern teilhaben wollen.

Ein Stein zerbarst den Helm des Volkshelden und Halbgottes in Personalunion. Wäre unsere geschätzte Verteidigungsministerin Ursula »meine Frisur hat eine eigene Alarmanlage« von der Leyen (und ich Einfaltspinsel dachte schon, mit Raketenheo wäre die perfekte Figur im perfekten Comic auf der Bildfläche erschienen) mit ihrer bloßen, fulminant toupierten Haarpracht gegen den Felsen gesegelt, oh ha, dann hätte dieser das Nachsehen gehabt! Wie auch immer, dem Herrn Schumacher sei von hier aus gute Besserung gewünscht und unserer haarigen Stalinorgel ebenfalls! Prosit!



Abschließend noch ein bisschen Filmmaterial vom Jahreswechselgeballer in der Erfurter Innenstadt. Spät, aber immerhin... Peng! ;o)

So, nun aber genug des Geschwurbels um das neue Jahr und dessen Start. Ab sofort geht es an dieser Stelle wieder mit gewohntem Ernst und gebotener Pietät weiter. Versprochen. Vielleicht. ;o)

Aloeswood »Forsaken Landscapes« (»The Forsaken Landscapes«, 2011)

21.12.2011

Freude!

Manchmal bringt der Weihnachtsmann die besten Geschenke schon vor dem St. Kilmister Tag. Außerdem sind selbstgebastelte Sachen seit jeher der Klassiker.


Warum erzähle ich das? Weil der beliebte Jungautor Til_o. mir heute in der schnuffeligen Atmosphäre des schon abgebauten Weihnachtsmarktes vor der Frauenkirche die gedruckte Version (so richtig mit Tinte und Papier!) unseres gemeinsamen Projektes »Rattenkampf« unter die Nase hielt. Da kommt fast sowas wie Vaterfreude auf und das ordinäre Apfelglühgetränk (schönen Gruß auch an Frau RWE, welche mitglühte!) bekommt schon fast einen schampusartigen Antrunk, hehe.

Frei nach Schumi - kurze Rede, langes Kinn... Was ich eigentlich sagen will: Danke, Alter! ;o)


Buck Satan & The 666 Shooters »Friend Of The Devil« (»Bikers Welcome! Ladies Drink Free«, 2011)

05.12.2011

Rattenkampf, Kapitel 16 - FINALE

So, nun kommen wir also unweigerlich zum Ende. Vorab: Spaß hat es gemacht, aber irgendwie auch mehr Arbeit, als in anfänglicher Sektlaune vermutet. Schön, wenn es außer den Beteiligten noch irgendwem Freude gemacht hat dranzubleiben. Am Ende des Textes gibt es noch ein handgebasteltes Video mit chronologisch die Handlung erzählenden Bildern aus der digitalen Feder Til_o.s und ein bisschen elektronisches Gedöns dazu. Das haben wir allerdings nur ins Netz gestellt, um hinterher mit einem Multimedia-Projekt rumposen zukönnen, hehe...

Okay, dann ein letztes mal: LOS!


Octapolis & Til_o. »Joe Black« (2011)

Kapitel 16

Sie schoß sofort. Den Wagen, der genau vor der Haustür parkte, konnte sie durch das Treppenhaus sehen. Er gehörte nicht hierher und paßte auch nicht in das vornehme Viertel. Die Seitenscheibe war heruntergekurbelt. Das gab ihrer Ahnung Gewißheit, und sie zog ihren Revolver und steckte den Schalldämpfer auf.
Mitten zwischen die Augen getroffen, sackte er auf dem Beifahrersitz zusammen. Dort hatte er Stellung bezogen, um näher an der Haustür zu sein.
Sie setzte sich hinter das Lenkrad, drehte den Zündschlüssel um und fuhr langsam aus der Parklücke.
Im Radio hatte er einen Klassikkanal gewählt; sie brachten irgendetwas von Claude Debussy. Sie drehte die Musik lauter, bog um die Ecke und fuhr stadtauswärts. Ein zufälliger Beobachter mußte annehmen, daß der Wagen auf sie gewartet hätte, um sie abzuholen.

Ihre Kokainvorräte hätte er beinahe vergessen. Er schloß den Tresor noch einmal auf, und legte sie neben seinen Revolver. Hier drin waren sie vor der Polizei sicher.
Die Bullen würden den Safe hinter dem Bild an der Wand für bare Münze nehmen und so tun, als würden sie sich die Zähne daran ausbeißen. Den richtigen Tresor im Schreibtisch würden sie für nicht existent erklären.
Sie hatten kein Interesse daran, im Schmutz stinkreicher Wirtschaftsbosse zu wühlen. Sollten sie sich doch gegenseitig umbringen, ihnen war es recht. Direkt nachweisen konnte man ihnen in den meisten Fällen ohnehin nichts. Weder ihre Wirtschaftsverbrechen, noch einen Mord. Das Einzige, was die Bullen bedauerten, war die Tatsache, daß man sie nicht einfach mal so zusammenschlagen konnte, wie den Kleindealer von nebenan.
So ein wohlgefüllter geheimer Schrank ist der Fluch, der auf allen Staatsanwälten lastet. Ist er einmal offen, müssen sie ermitteln, und das jahrelang mit einem Personalaufwand, der jedes Gericht finanziell in die Knie zwingt, und mit dem Ergebnis, den Tresorbesitzern nur eine Steuerhinterziehung im vierstelligen Bereich nachweisen zu können. Wider besseren Wissens gingen sie ansonsten straffrei aus. Die Blamierte war die Justiz, die mit einem Millionenaufwand nur einen Strafzettel ausstellen durfte.
Der Tresor würde geschlossen bleiben. Wer ihn aus dem Nachlaß erwerben erwerben würde, wußte er nicht. Aber daß dieser nicht zu den Ärmsten gehörte, verstand sich von selbst. Der Schreibtisch besteht (bestand) aus verschiedenen Harthölzern, war kunstvoll gearbeitet und allein schon ein Vermögen wert.
Um den Tresor zerstörungsfrei öffnen zu können, bedurfte es eines Spezialisten, eines Haufens moderner Technik und damit wieder Unsummen an Geld) Wer viel Geld hat, hat aber auch viele Sorgen.
Er würde den Schreibtisch bald wiedersehen.

Draußen vor der Stadt bog sie rechts auf einen Feldweg, der mitten durch ein Maisfeld führte, ab. Von der Straße aus war der Wagen kaum zu sehen. Neben ihr lag zusammengesunken ein Greenhorn Ende 20. Sein Paß gab nicht viel her. Wie sie vermutet hatte, kam er aus den Staaten. Für seine Pistole hatte sie nur ein Kopfschütteln übrig.
Ein Schießprügel vom neuesten Modell. War der zweimal in den Dreck gefallen, gab es bei jedem zweiten Schuß eine Ladehemmung. Hochgeschwindigkeitspatronen und der Schalldämpfer waren schön blankpolierter Schrott. So klein und schmal, daß er nach dem vierten Schuß so heiß war, das man ihn nicht mehr anfassen konnte.
Die gesamte Waffe glitzerte wie ein Kronleuchter. Auffälliger ging es fast nicht mehr. Das war kein Professioneller. Vielleicht ein Kopfgeldjäger, aber kein Killer. Er konnte ihr im Prinzip dankbar sein. Mit dieser Kanone hätte er sich früher oder später selbst ins Knie geschossen.
Geld hatte er auch keines weiter bei sich. Die Kreditkarten und seinen Paß behielt sie erst einmal für sich. Ihn kippte sie einfach aus dem Wagen und zog ihn ins Feld. Seine Knarre nahm sie auseinander, und die Einzelteile flogen bei der Weiterfahrt nacheinander aus dem Fenster. Später im Hotel würde sie seinen Paß prüfen und abwägen, ob sie damit als Mann durch eine Kontrolle käme. Wenn nicht, würde sie sich einen anderen, passenden besorgen. Mit etwas Wehmut dachte sie an den Joker. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben und man sieht sich im Leben immer zweimal.

Die Bullen ließen sich Zeit und als sie endlich da waren, benahmen sie sich wie erwartet. Sie stellten ein völliges Desinteresse zur Schau. M.s liebevoll gekochtes Essen wurde von ihnen mehr beachtet als ihre Leiche. Von einer Tatortsicherung gab es keine Spur. Ihr Leichnam wurde fotografiert, das war alles.
Niemand fragte ihn, was er hier zu tun hatte. Sie grinsten ihn nur an. Die Wohnung durchsuchten sie gar nicht und seine Aussage mußte er ihnen förmlich aufzwingen.
Für sie war die Sache völlig klar. Es gab ein Exemplar von diesem stinkreichen und nichtstuenden Dreckzeug weniger auf der Welt. Für sie war das eher ein Grund zum Feiern, als zum Ermitteln.
Eine Stunde später stand er wieder unten auf der Straße. Daß die M. tot war und er sie nicht mehr sehen konnte, wurde ihm erst jetzt richtig bewußt. Er hatte sich geschworen, alles zu tun, um nie in so eine Situation zu kommen. Jetzt steckte er trotzdem in dieser Herzscheiße fest.
Dagegen war er machtlos, wie jeder Mensch und jede Ratte es war. Er bog ab und ging in den Park. Er suchte die Stelle, von der aus man ungesehen das Haus der M. beobachten konnte. Hier mußte sie gestanden haben, die Frau um die dreißig. Als er da oben auf ihr lag, hätte er sie beinahe nach ihrem Namen gefragt, so kaputt war er inzwischen.

Als er mit ihr schlief, wollte er sich nur gegen die Gefühle wehren, die er für die M. empfand. Es gelang ihm nicht. Er mußte dabei an sie denken und bereute schließlich, daß er die Ausweglosigkeit seiner Laborratte ausnutzte und sich an ihr verging. Diese anschließend noch zu demütigen, sie zu zwingen, daß sie sich bettelnd vor ihm erniedrigt, war nicht seine Absicht gewesen. Das ergab sich so und ihm war es recht, daß sie es annahm. So war der Abzweig zu ihr auf dem Weg zu sich selbst versperrt und der Wegweiser sollte eindeutig zur M. weisen. Jetzt, nach dem die M. tot war, stand er hier im Park, an »ihrer« Stelle, als würde er sich bei ihr für das Geschehene entschuldigen wollen. Sie selbst war nicht sein Feind – nur ihr Auftrag. Diesen nicht als gegen sich persönlich zu sehen, war professioneller Rattenalltag.
Zu spät. Sie war inzwischen hoffentlich weit weg. Aber vielleicht könnte er sich bei ihr später reinwaschen. Er und sie hatten genug gemeinsam. So wie ein Unheil anderes Unheil anzieht, würden sie beide früher oder später wieder voreinander stehen.

Der Ukrainer hatte noch auf. »Wie immer?«, fragte Dimitri »Nein, für immer.«, antwortete er. Dimitri lachte und packte ihm zu den Zigaretten, deren Anzahl er verdoppelte, noch zwei große Flaschen Wodka in seinen Beutel. »Brauchst du mein Zimmer?« Der Joker nickte. »Für drei Tage, wenn es geht.« Es ging.
Dimitris Zimmer lag in der Nachbarschaft unterm Dach eines ruhigen Hauses. Er hatte es angemietet, um sich von seiner Frau unentdeckt seinen amourösen Abenteuern widmen zu können.
»Sie ist schön? Nicht wahr?« Wenn er mal einen Seelenklempner brauchen würde, wäre der Ukrainer die erste Wahl.
Das Zimmer war eine kleine Wohnung, mit allem was man braucht. Er stellte die eine Flasche Wodka in den Kühlschrank, die andere warf er auf das Bett. Sein Körper dampfte noch von der heißen Dusche, als er sich neben sie legte.
Hier bei Dimitri fühlte er sich fast geborgen. Das Zimmer beruhigte ihn. Der Fernseher warf ein buntschattiges Flimmern an die Wände und dudelte ungehört vor sich hin. Die kleine Leselampe beschien mit ihrem dämmrigen, warmen Licht beinahe alltägliche Normalität. Als wäre er jetzt gerade von einer Arbeit beim Gleisbau gekommen und nicht von einer Leiche. Nicht von der toten M. sondern von einer anonymen Leiche, wie man sie im Herbst, bei Regenwetter im Stadtpark findet. Er war bereits dabei alles zu verdrängen, und Dimitris Zimmer, die ungewohnte Umgebung, die vermeintliche Normalität und der Wodka würden ihm dabei helfen. Wenigstens für die nächsten 2 Tage. Dann war das Schlimmste überstanden und er würde ein paar fast überfällige Lektoratsarbeiten beenden können.
Eine halbe Flasche Wodka hatte er bereits getrunken. Wie ein Spiegeltrinker, der schnell wieder auf seinen Wohlfühlpegel kommen will. Schluck für Schluck, um möglichst viel Alkohol schon über die Mundschleimhaut aufnehmen zu können, den Geschmack des unverhofft doch recht guten Wodkas genießend. Der Alkohol tat seine erwünschte Wirkung. Ihm wurde warm, sein Körper entkrampfte und eine wohltuende Ruhe deckte ihn zu. Jetzt konnte er M’s Vermächtnis ertragen, auch wenn es gar nicht an ihn gerichtet war.

»An meinen lieben Little Big Joe Black.« Er mußte grinsen, der Wodka machte es ihm leicht. Was wäre wohl dem armen Joe alles durch den Kopf geschossen, hätte er jetzt diesen Brief in der Hand. Nichts Gutes vermutlich. »Wie bin ich gestorben? An einer Überdosis Schlaftabletten in einem Schweizer Sanatorium? An einer Alkoholvergiftung? Oder bei einem Verkehrsunfall? Ich denke, du hast mich mit einem standesgemäßen und schnellen Tod bedacht, der nicht viel Staub aufgewirbelt hat. Warum auch immer.
Sicher hattest Du gute Gründe dafür, obwohl ich mir nur einen Grund, eine jüngere, mittellose Frau, für die Du mein Vermögen vorgesehen hast, vorstellen kann. Du wirst sicher verstehen, daß ich das nicht hinnehmen kann. Wenn ich schon meinen Tod nicht verhindern konnte, oder ihn nun nicht mehr verhindern kann – vielleicht lebe ich ja noch, wer weiß das schon? – so möchte ich Dir zumindest ein Abschiedsgeschenk, eine kleine Freude bereiten.
Was um alles in der Welt hat Dich bewogen, dieses Dossier anzulegen? Und es noch dazu mit allen Akten zu untermauern? So eine Art Lebensbeichte? Oder wolltest du dir damit beweisen, was für ein toller Hecht du bist? Die Unterlagen alleine wären schon ein gefundenes Fressen für deine Konkurrenz gewesen – ich kenne da ein, zwei Adressaten, die Schaum vor dem Mund bekämen, wenn sie das läsen. So bekommt der Staatsanwalt noch von Dir höchstpersönlich Amtshilfe.
Gut, er wird dich für allerhöchstens 5 Jahre hinter Gitter bekommen und der Schadenersatz, den Du bezahlen mußt, ist geradezu lächerlich. Aber hast Du schon mal daran gedacht, was passiert, wenn Du im Gefängnis sitzt?
Bestimmt. Deine Geschäfte gehen weiter und Du hast genug Vasallen, die den Laden, von Dir gesteuert, am Laufen halten. Soweit hast Du Recht. Aber, was ich die ganze Zeit andeuten wollte, ist, daß jetzt nicht nur das Gericht einen Teil der Akten bekommt, sondern auch Deine Dich liebenden Geschäftspartner und solche, die es werden, wenn sie Deine Unterlagen in den Händen halten.
Erst werden sie eine feindliche Übernahme nach der anderen starten und Dich aus allen Geschäften drängen. Sie werden Dir überall das Wasser abgraben, Deine Verbündeten unter Druck setzen usw... Sie werden deine gesamte Palette an schmutzigen Tricks bedienen und auf Deiner Klaviatur Dein Requiem spielen.
Sollen sie nur, wirst Du jetzt sagen. Das Geld, was Du auf der hohen Kante hast, reicht locker für einen Neuanfang. Sicher, aber der wird Dir nicht vergönnt sein. Drinnen im Knast bist du schutzlos. Dein Hochmut gewissen Kreisen gegenüber rächt sich da gewaltig. Die haben auch ihre Ehre im Leib. Du bist tot, mein Liebling.

Bleibt die Frage zu klären, wie ich in Deinen Safe gekommen bin. Goethes Hexeneinmaleis: ›Du mußt versteh’n! – Aus Eins mach Zehn, – Und Zwei laß geh’n, – Und Drei mach gleich, – So bist Du reich. – Verlier die Vier! Aus Fünf und Sechs, – So sagt die Hex’, – Mach Sieben und Acht, – So ist's vollbracht: – Und Neun ist Eins, Und Zehn ist keins. – Das ist das Hexen-Einmaleins!‹
Es paßt zu Dir, mir das Bild vor die Nase zu hängen. Ein magisches Quadrat, dessen Summen immer 15 sind. Die Quersumme von 15 ist 6. Das ergibt 666 666 oder zweimal die Zahl des Teufels, der Du gern selbst gewesen wärst. Vielleicht war es als Notöffner gedacht, bevor Du das Dossier angelegt hast. Wie dem auch sei – ich mußte nicht lange überlegen, um zu wissen, was Du mir da schenktest.
Ich hoffe, Du bist mir nicht böse? Nein, sicher kannst Du mich verstehen. Mein Erbe kannst Du nun genießen. Bis auf diverse Kleinigkeiten, wie die Wohnung hier. Aber Näheres erfährst du zur Testamenteröffnung. Bis dahin, alles Gute!
Ach ja, die Unterlagen, außer die von meinem Vater, werden im Falle meines Todes oder auf meine Anweisung hin per Kurier verteilt. Die Rechnung dafür ist bereits bezahlt.
Abschließend möchte ich bemerken: Falls du jetzt eine Stärkung nötig hast, der Pernod steht im Kühlschrank.«

Danke M. Damit war er aus dem Schneider. Bei der wilden Hatz, die nun beginnen würde, spielte er keine Rolle mehr. Die Könige der Ratten würden sich jetzt gegenseitig an die Gurgel gehen und dabei die Karten neu mischen. Ihm konnte es egal sein. Als die leere Flasche auf den Boden rollte, schlief er bereits.

Drei Monate später.

Die Adresse, die als Absender der E-Mail angegeben war, kannte er. Es war dieselbe Wohngegend, in der auch die M. wohnte. Es war nur ein Haus weiter, näher am Park. Er sollte da vorbeischauen, man hätte eine interessante Entdeckung gemacht.
Ein älterer, dickbäuchiger, aber sehr beweglicher Mann öffnete ihm. Er nickte kurz und bat ihn herein. Ohne eine Erklärung führte er ihn in ein kleines Hinterzimmer. Dort stand der Schreibtisch der M., der Safe stand offen und auf ihm lag sein Revolver, M’s Kokain und seine Visitenkarte.
»Nun, mein Herr, ich wurde von Frau M. in ihrem Testament mit diesem Schmuckstück von einem Schreibtisch bedacht. Fragen sie nicht warum, ich werde es ihnen nicht erklären.« Er ging um den Schreibtisch herum, stützte sich auf und sah ihn fest an. »Gehe ich recht in der Annahme, daß sich der Originalschlüssel zu diesem Safe in ihrem Besitz befindet?«
Der Joker griff in seine Tasche und legte ihn neben seinen Revolver, aber der Mann winkte ab. »Nein, behalten sie ihn. Ich sehe, daß sie mein Mann sind. Wissen sie, ich habe natürlich keine Kosten gescheut und mir den Tresor öffnen lassen. Irgendwie ahnte ich, daß es sich für mich lohnen würde. Die M. war, sagen wir, eine Freundin des Hauses und wer sie auch erschossen haben mag, Sie waren es nicht. Aus diesem Revolver wurde die letzten Jahre kein Schuß abgefeuert. Das ist doch ihre Waffe?« Er streckte sie dem Joker entgegen, der nahm sie und steckte sie ein.
»Sie werden verstehen, daß ich mir wegen Ihrer Karte so meine Gedanken gemacht habe. Sie werden auch verstehen, daß ich Sie in meine Überlegungen und Recherchen nicht einbeziehe. Aber ich weiß, daß diese nicht falsch sind und Sie erfreut über mein Angebot sein werden.« Er spreizt die aneinandergelegten Fingerkuppen vor seiner Brust und schaut scheinbar gedankenverloren in den Raum. »Wie sie vielleicht wissen, bin ich ein Mann, den man als vermögend bezeichnen kann. Dies ist an sich ein erfreulicher Umstand, aber wer Geld hat, hat auch Sorgen. Ich brauche jemanden, der diskret meine ...«


Octapolis & Til_o. »Rattenkampf« (2011)

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(Abspann & warme Worte des Dankes)

Ich möchte als erstes natürlich Til_o. danken. Er hinterfragte die Idee nicht unnötig, sondern legte los, wie, er möge mir verzeihen, ein Goldhamster in seinem Rad (auf Speed). Oder wie Schumi nach der Kurve, siewissenschon...

Außerdem Lizzard, die entgegen ihres guten Geschmacks den Text auf Fehler prüfte und mit vorgehaltener Waffe Präteritum, Komma und Plusquamperfekt in die Knie zwang.

Nicht zu vergessen Frau RWE, die, als die Säge mal kurzzeitig klemmte, todesmutig einsprang.

[An dieser Stelle gucken wir bitte alle gerührt und haben vielleicht etwas schmalziges im Stile von »My Heart Will Go On« im Hinterkopf!]

Fühlt euch umarmt!

[Kunstpause. Sacken lassen. Hach!]

Zu guter letzt innigsten Dank denen, die sich 16 Kapitel lang durch die Geschichte (ja, bevor jemand fragt, ich hab auch nicht immer allem folgen können, hehe) gelesen haben! Skål!!!

07.11.2011

Rattenkampf, Teil 6

N bisschen später geworden heute, um, wie es der liebe Kollege ankündigte, als Vorabendserie durchzugehen. Was soll´s, besser spät als nie! Anonsten, frei nach Schummelschumi: kurze Rede, langes Kinn... und los!


Joan Jett & The Blackhearts »Cherry Bomb« (1985)

Kapitel 6

Das Telefon riß sie zum wiederholten Male aus ihren Gedanken. Wer immer das auch war – er würde sich gedulden müssen. Sie hatte jetzt keine Muße für irgendwelchen Tratsch, und ihr Bedarf an Neuigkeiten aller Art, war für heute gedeckt.
Ihre Bekanntschaft von gestern würde sie dann abholen. In seiner schnoddrigen Mail stand nicht wozu und wohin, aber wenn ihr aus ihrer wilden Zeit etwas geblieben war, so das Gespür für Männer.
Er hatte Stil und er hatte Geschmack, also würde er sie erst in ein teures Restaurant führen und dann in ein Konzert oder das Theater einladen. Sehr zuvorkommend würde er sein, und sie nur sehr sparsam mit Komplimenten versorgen. Sie wird das nicht hinnehmen und auf die gesamte Palette ihrer Verführungskunst zurückgreifen, so lange, bis er anfinge, sie zu umwerben. Dann hätte sie ihre Genugtuung und er würde da landen, wo alle Anderen landeten – in der uninteressanten Ecke.
Nein, dieses Mal würde sie auf das Machtspiel verzichten müssen. Für so etwas war er nicht zu haben und er würde sich höflich, aber bestimmt zurückziehen. Das wollte sie nicht riskieren.
Sie beschloß, noch einmal duschen zu gehen. Daß es der Dreck ihrer vergangenen Jahre war, den sie sich von der Seele spülen wollte, würde sie nie zugeben. Nicht einmal vor sich selbst.
Ihre Kleider ließ sie auf dem Weg ins Badezimmer so lasziv fallen, als würde sie für den späteren Abend proben – dabei wußte sie genau, wie sie sich zu bewegen hatte, um einem Mann endgültig den Todesstoß zu versetzen.
Lächelnd hörte sie noch, wie das Telefon erneut klingelt und er ihr auf den Anrufbeantworter sprach. Dieser Depp! Der Anruf war unnötig und verriet ihr nur, wie nervös er war. Seine Unruhe schmeichelte ihr. Sie konnte nicht ahnen, daß er aus einem ganz anderen Grund aufgeregt war.

Im Park war es naß, kalt, und es wurde dunkel. Es gab tausend Gründe, zu dieser Zeit an einem anderen Ort zu sein. Alles war besser, als hier herumzustehen. Hier zwischen Gestrüpp und Nieselregen. Aber nur von hier aus konnte man den Hauseingang der M. sehen, ohne selbst gesehen zu werden. Der Joker mußte hier bald auftauchen. Sein Auftraggeber war tot. Wenn er es auch noch nicht mit Bestimmtheit wußte, so ahnte er es zumindest.
Ihre Kugel traf ihn mitten zwischen den Augen, als er den Zündschlüssel ins Schloß stecken wollte und ihrer gewahr wurde. Sie hatte keine Wahl.
Doch, die hatte sie. Die Alternative wäre gewesen, ihn am Leben zu lassen und unterzutauchen. Ohne Geld, ohne Perspektive und mit der Gewißheit, daß sie irgendwann von so einem Typen wie dem Joker gefunden werden würde. Das kam nicht in Frage.
Seinen Tod hatte er selbst zu verantworten. Man kramt nicht in der Handtasche seiner Sekretärin, auch wenn es sich dabei um die Geliebte handelte. Andererseits war es ihr Fehler gewesen, dort den USB-Stick mit all seinen Paßwörtern und Zugangsdaten aufzubewahren.
Dabei mußte er nichts von dem fürchten, was sie gefunden hatte. Das was sie vergeblich gesucht hatte, war sein Untergang – und Beide wußten, wo sie den jetzt finden würde.

Das Wasser rauschte an ihrem Körper herab. So luxuriös, wie vor Jahren war er nicht mehr. Das mußte sie sich eingestehen. Aber sie hatte auch das seltene Glück, daß ihr das Alter nicht allzuviel anhaben konnte.
Sie blieb attraktiv, und heute Abend würde sie an die Triumphe längst vergangener Jahre anknüpfen. Pietätvoll wäre das sicher nicht – davon abgesehen, daß die Rolle der trauernden Witwe ihr sowieso keiner abnehmen würde – aber durch dieses Abenteuer gewänne sie Abstand zum Tod ihres Mannes und was dieser für sie bedeuten könnte.

In seiner Pension rückte er sich den Krawattenknoten zurecht. Der Spiegel war übermannsgroß und so breit, daß er hinter sich das halbe Zimmer und die Bettcouch sehen konnte. Ihr Bett war doppelt so groß.
Im Grunde hatte er keine Wahl. Sein Auftraggeber war mit Sicherheit tot. Trotz des lausigen W-LAN Empfangs – hier war einfach alles lausig – konnte er noch einmal seinen Posteingang sichten. Nichts. Auch die Ausweichvariante, eine belanglose telefonische Nachricht über die Pension, war ausgeblieben.
Das hieß, daß sein Geldgeber aus dem Rennen war. Ob tot oder nicht. Er könnte jetzt einfach die Dinge laufen lassen, egal was und ob überhaupt etwas passierte. Aber so würde er einen dicken Fisch von der Angel lassen und das konnte er sich nicht leisten. Diese Nacht mußte er die Unterlagen im Tresor sichten. Er mußte jetzt wissen, um wieviel Geld es ging und vor allem, wem die Dokumente viel Geld wert waren. Skrupel kennt kannte er dabei nicht. Zur Not würde er auch die M. erpressen, nachdem er die Dokumente in Sicherheit gebracht hätte.
Soviel er wußte, kannte jetzt nur noch er die Zahlenkombination für ihren Safe. Sicher hatte sein Klient sie irgendwo hinterlegt, aber so schnell würde da wahrscheinlich keiner ran kommen. Zumindest würde er ein, zwei Tage Vorsprung haben.
Der Chauffeur war für gewöhnlich pünktlich. In einer halben Stunde würden sie sich an der Metro-Station treffen, um den Verlauf des Abends abzusprechen. Er war sich im Klaren darüber, was er ihr bieten mußte und was sie von ihm erwartete. Bei dem Gedanken an Letzteres mußte er grinsen. Gut, das Spiel möge beginnen. Er zog die Tür hinter sich zu. Wenn er langsam liefe, wäre er ohne warten zu müssen rechtzeitig da.

Sie fror, und sie kämpfte gegen ein Gefühl der Einsamkeit an. Sie war allein. Schon immer. Gewöhnlich kam sie damit gut zurecht. Sie brauchte niemanden, der sie brauchte. Nur manchmal, so wie jetzt, sehnte sie sich nach etwas Rückhalt und Geborgenheit.
Er mußte jetzt bald kommen. Aber damit war die Warterei nicht zu Ende. Im Moment konnte sie nichts tun. Nichts Kluges zumindest. Alles hing von ihm ab. Die Unterlagen waren viel Geld wert. Er konnte den Tresor öffnen, sie selbst nicht. Die Zahlenkombination war bei ihm, M.’s Mann, nicht zu finden gewesen. Aber sie war sich sicher, daß der Fuchs sich ein Hintertürchen offen gelassen hatte. Seine Frau war nicht eingeweiht. So viel wußte sie. Aber er hatte sicher einen Weg gefunden, daß sie im Ernstfall – im äußersten Notfall – den Safe öffnen konnte. Die Chiffre mußte also in der Wohnung so versteckt sein, daß man sie ohne Hinweis nicht finden konnte.
Dem Joker hatte er die Kombination gegeben. Das und die Tatsache, daß nie jemand geahnt hatte, daß nie jemand etwas von seiner Existenz geahnt hatte), sagten ihr, daß sie ihn sehr ernst nehmen sollte.
Sie mußte jetzt hier warten und sehen, was passierte. Vielleicht gingen die beiden ja aus. Dann konnte sie sich zumindest in der Wohnung umschauen. Ansonsten mußte sie auf morgen warten, und darauf vertrauen, daß der Joker ihrem Charme erläge.



Leshak »Was wollen wir trinken« (»Chertovorot«, 2009)
Лешак »Was wollen wir trinken« (»Чертоворот«, 2009)

08.02.2010

Fakten in Bildern

Bezüglich des vorangegangenen Posts noch mal die alles enttarnenden Bilder. Wir sehen den Knaben (von links nach rechts) vor 10 Jahren, heute und in 10 Jahren. Wenigstens lächelt er dann wieder, hehe...

Satanic Schumi

Wir erinnern uns: Satyricon = miesgelaunte, langhaarige, feintönende Typen. Nun werden wir ja alle mehr oder weniger älter, aber warum sieht der Herr Satyr immer mehr wie Michael Schumacher aus? Seltsame Metamorphose, die da vor sich geht. :-D


Satyricon »Black Crow on a Tombstone« (»The Age Of Nero«, 2009)

Fotobeweis kommt noch...!